Es ist nicht bekannt, wo die Ermetzhofener Juden bis zur ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts ihre Gottesdienste gefeiert haben. Jedenfalls versammelte sich die Gemeinde in einem Privathaus, denn ein erstes freistehendes Synagogengebäude wurde erst 1743 erbaut. Zuweilen wird das heutige Haus Nummer 70 in der lokalen Überlieferung als Alte Synagoge bezeichnet, was aber schon durch die zugehörigen 30 Tagwerk Grund eher unwahrscheinlich ist.
Das hochfürstlich-Seckendorffische Salbuch aus dem Jahr 1746 berichtet über Ermetzhofen: „Hat eine Juden Schul, welche mit No. 2. bezeichnet, und selbige Ao. 1743 Neu erbauet, bestehendt in einem Eingädig mit Ziegeln bedeckten Hauß, und noch einem kleinen Häußlein, worinnen der Schulmeister wohnet“. Zu dem Anwesen (heute: Haus Nr. 96 und 98) erstand die Gemeinde einen „Halb gartten“ vom Nachbargrundstück. Für Synagoge und Schule musste die jüdische Gemeinde jährlich zwei Rheinische Gulden und 15 Kreuzer an die Grafen von Seckendorff entrichten. Die alte Bausubstanz hat sich bis heute im Kern erhalten: Augenscheingig ist, dass sich die Synagoge in nichts von der umliegenden bäuerlichen Architektur unterschieden hat und die einfachen Lebensbedingungen der Gemeindemitglieder widerspiegelte. Als schmaler rechteckiger Streifen erstreckte sich die ursprünglich ebenerdige Frauenabteilung parallel zur Westfassade. Die separaten Eingänge befanden sich an der Südostseite. Die Männer betraten direkt den kleinen Betsaal, der nach oben von einem hölzernen Tonnengewölbe abgeschlossen wurde. 1859 entstand auf der Straßenseite des Gebäudes eine Frauenempore, die in den Betsaal hinein ragte. Der nun frei gewordene Platz im Erdgeschoss vergrößerte die Männerabteilung. Für genügend Höhe auf der Empore wurde das alte "schiefe Dach" an der Straßenfront von einem Giebel ersetzt und die Deckenverschalung verlängert. Im Nordosten blieb eine quadratische Grundfläche für Toraschrein und Bima. Am Außenbau befand sich einst die hebräische Inschrift: "Das ist das Tor zum Herren, die Gerechten werden dort einziehen". Die nicht überlieferten Buchstaben enthielten ein Chronogramm, wohl mit Hinweis auf das Baujahr der Synagoge.
Das Gebäude wurde nach 1938 im Auftrag der NS-Gauleitung von Schreinermeister Georg Endres zu einem Kino umgebaut. Endres steht auch im Verdacht, die Innenausstattung im nahe gelegenen Steinbruch verbrannt zu haben. Durch einen Vergleich ging das Gebäude am 20. September 1950 in das Eigentum der Bürgergemeinde Ermetzhofen über und ist heute ein privates Wohnhaus.
(Patrick Charell)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Ermetzhofen 96/98, 91465 Ergersheim
Literatur
- Barbara Eberhardt / Cornelia Berger-Dittscheid: Ermetzhofen. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 225-237.
