Über den Standort und das Aussehen einer Synagoge im 15. Jahrhundert ist nichts bekannt. Die seit 1861 zugezogenen jüdischen Familien besuchten vermutlich zunächst die Synagoge in Bruck. Von 1873 bis 1878 wurden Gottesdienste im Privathaus des Kaufmanns Josef Levin in der Friedrichstraße 6 abgehalten.
1878 mietete die Kultusgemeinde Räume im Obergeschoss des jüdischen Hauses Dreikönigsstraße 1-3 und richtete je einen Betraum für Männer und für Frauen sowie einen Versammlungsraum für die Gemeinde ein. Nach einem antisemitischen Vortrag des Berliner Theologen Adolf Stöcker warfen Unbekannte an drei aufeinanderfolgenden Nächten vom 1. bis 3. August die Fenster des Hauses ein. Gemeindemitglieder beklagten sich zunehmend über den „unwürdigen“ Zugang über eine Stiege und über die schlechte Luft, die bei voller Auslastung und mit brennenden Kerzen herrschen würde. Da die Anlage des eigenen Friedhofes im Jahr 1890 die Geldreserven erschöpft hatte, war an einen Neubau trotz mehrerer Anläufe nicht zu denken - die Dreikönigsstraße blieb bis 1937 das religiöse Zentrum der Erlanger Juden.
Nach 1937 musste die Gemeinde aus Kostengründen zwei baufällige Räume in der Einhornstraße 5 als Beträume anmieten. Diese wurden im Novemberpogrom 1938 verwüstet und die Ritualien beschlagnahmt (u.a. neun Torarollen, neun Paar Toraaufsätze mit Toraschildern, drei Lesefinger, 30 Toramäntel, 50 Wimpel, vier Toraschreinvorhänge, vier Decken für den Lesepult, eine Ewige Lampe, eine Menora, ein Chanukka-Leuchter).
Am 2. April 2000 weihte die 1997 neu gegründete Kultusgemeinde einen Betsaal in der Erlanger Hauptstraße ein. Die Ausgestaltung des Saals und der Nebenräume wurde durch die Stadt und durch viele Spenden ermöglicht. Eine neu gefertigte Torarolle stammt aus Israel. Die Einweihung nahm der damalige Fürther Rabbiner Netanel Wurmser vor. Max Fleischmann, der als Jugendlicher aus Erlangen in die USA geflüchtet war, schenkte der Synagoge im April 2000 - nach Auflösung seiner New Yorker Heimatgemeinde - eine dort verwendete Torarolle deutscher Provenienz.
Kurzzeitig bezog die Kultusgemeinde im März 2008 neue Räumlichkeiten im Erdgeschoss einer Villa in der Hindenburgstraße. Doch ein knappes halbes Jahr später musste sie diese wieder aufgeben, weil eine Erbengemeinschaft als Eigentümer des Dachgeschosses Widerspruch eingelegt und das Amtsgericht Erlangen die Umnutzung für nicht zulässig erklärt hatte.
Nach einer Zeit der Ungewissheit fand die Kultusgemeinde Erlangen rechtzeitig zur Feier ihres zehnjährigen Jubiläums im Juni 2010 ein neues Heim in der Rathsberger Straße 8b. Neben dem Betsaal sind dort auch die Verwaltung, eine Mikwe und ein Raum für Veranstaltungen untergebracht. Genau elf Jahre später begann eine große Sammelaktion, die eines Tages den Bau eines neuen Gotteshauses, des „Hauses des jüdischen Lebens in Erlangen“ finanzieren soll. Die Zeit drängt, denn 2023 läuft der bisherige Mitvertrag aus und sicherheitstechnische Nachbesserungen würden die Möglichkeiten der Gemeinde überfordern.
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Rathsberger Straße 8b, 91054 Erlangen
Literatur
- Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Erlangen. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 190-224.
