Ein erster, spätmittelalterlicher Synagogenbau wird in der heutigen Webergasse 21 vermutet. Aufgrund der judenfeindlichen Politik von Domkapitel und Bischof, die zu einer Verkleinerung der Gemeinde führte, ging das Gebäude der Synagoge in den Besitz der bischöflichen Verwaltung über und wurde einem Eichstätter Bürger übertragen. Die nach 1861 neu entstandene und wachsende jüdische Gemeinde richtete 1872 einen Betsaal im ersten Stock das Anwesens Westenstraße 2 ein. Nach 1903 feierte man den Gottesdienst jetzt im Anwesen Pfahlgasse 45. Aufgrund eines Besitzerwechsels im Jahr 1928 wurde die Verlegung des Betsaals geplant, was allerdings nicht mehr zur Ausführung kam.
In der Folge des Novemberpogrom 1938 wurden die Ritualien der jüdischen Gemeinde dem Historischen Verein Eichstätt übergeben. Ein Inventar nennt einen Ritualschrank, einen Wandleucher, ein Schofar, Ritualgewänder und Drucke in hebräischer Sprache. Davon hat sich nach dem Zweiten Weltkrieg bis heute nur weniges erhalten. Das Gebäude mit dem ehemaligen Betsaal ist erhalten und beherbergt heute Privatwohnungen und die Verwaltung eines Kindergartens.
(Patrick Charell)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Pfahlstraße 45, 85072 Eichstätt
Literatur
- Angela Hager / Cornelia Berger-Dittscheid: Eichstätt. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 345-350.
