In Eibelstadt bestand eine jüdische Gemeinde von etwa 1583 bis 1653. Die jüdischen Familien wohnten unter dem Schutz der Reichserbmarschälle von Pappenheim im sogenannten Turmhof. Im Bereich des Areal des Turmhofes wird auch die Synagoge von Eibelstadt vermutet.
Eine wichtige Quelle für die Geschichte des jüdischen Lebens in Eibelstadt ist das in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts angelegte Memorbuch der Gemeinde (heute Central Archives for the History of the Jewish People,Jerusalem). Bereits 1591 erfolgte gegen den Widerstand des Ortspfarrers die Anlage einer Mikwe. Es gibt auch Hinweise auf eine weitere Mikwe. Beide befanden sich in unmittelbarer Nähe des Turmhofes (Pfarrer-Manger-Gasse 10 und 12). Nach Magnus Weinberg war die erste Mikwe auch mit einer Synagoge verbunden. Zumindest ist 1603 schon von einer "Judenschul" die Rede. Ein Synagogenneubau von 1610 erfolgte durch Umbau eines Stalles, der Götz von Eibelstadt, eines der ersten Gemeindemitglieder von 1583, gehörte. Götz blieb auch weiterhin der Besitzer des Gebäudes. Die Synagoge wird auf dem Grundstück Pfarrer-Manger-Gasse 6 vermutet. Es ist anzunehmen, dass alle Baulichkeiten unter dem Schutz der Pappenheimer standen, da das Hochstift Würzburg der jüdischen Gemeinde äußerst kritisch bis ablehnend gegenüberstand. 1611 ist mit Aaron Samuel Ben Moshe Schalom der erste Rabbiner namentlich bekannt.
Seit 1625 war Eibelstadt auch der Sitz des Landesrabbiners des Hochstifts Würzburg. Die Stelle besetzte der Eibelstädter Rabbiner Nathan ben Yehuda, der auch im Memorbuch genannt wird. Nathan war bereits 1622 zum Rabbiner der Markgrafschaft Ansbach ernannt worden. Da ihm aber die Würzburger Behörden keine Rückkehrgarantie nach Eibelstadt zusichern wollte, nahm er den Ruf nicht an. Weitere Landesrabbiner waren gemäß dem Memorbuch Menachem Menkh (Menke, Menko) und Aaron Esriel ben Chaim (verstorben bis 1650).
Mit der vom Hochstift Würzburg initiierten Vertreibung der jüdischen Gemeinde aus Eibelstadt, die 1653 abgeschlossen war, endete das jüdische Leben in diesem Ort.
Literatur
- Nathanja Hüttenmeister: Alltägliches Miteinander oder getrennte Gemeinden. Das Leben im Dorf am Beispiel der pappenheimischen Herrschaften, in: Rolf Kießling, Peter Rauscher, Stefan Rohrbacher, Barbara Staudinger (Hg.): Räume und Wege. Jüdische Geschichte im Alten Reich 1300-1800. Berlin 2007 (= Colloquia Augustana 25), S. 107-120.
- Aubrey Pomerance: Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Franken. In: Michael Brenner / Daniela F. Eisenstein (Hg.): Die Juden in Franken. München 2012, S. 95-113.
- Magnus Weinberg : Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Bayern, Bd. 1. Frankfurt a. M. 1937, S. 35-47.
