Jüdisches Leben
in Bayern

Ebelsbach Synagoge

Vermutlich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts kam es in Ebelsbach zur Bildung einer jüdischen Gemeinde. Darauf deutet die 1714 von den Mitdorfherren aus der Familie Rothenhan den Ebelsbacher Juden erteilte Erlaubnis hin, eine Synagoge im "Judenhof" zu errichten, der nördlich an das Schloss der Rotenhans angrenzte. Möglicherweise war die erste Synagoge zusammen mit Schule und Lehrerwohnung in dem Gemeindehaus untergebracht, das als Mehrzweckbau dem damals einen auf dem Land üblichen Typus folgte. 

1749 wurde die Synagoge im als Fachwerkaufsatz konstruierten Obergeschoss des neu errichteten Erweiterungsbaus untergebracht. Den rund zehn Meter langen und sieben Meter breiten, auf einem längsrechteckigen Grundriss errichteten und von vier großen, hochrechteckigen Fenster im Osten belichteten Betsaal schloss ein Tonnengewölbe ab. Die rund zehn Meter lange, rund drei Meter breite und rund drei Meter hohe Frauenabteilung befand sich auf demselben Niveau wie der Männerbetsaal und war von diesem durch ein Holzgitter abgetrennt. Der laut Theodor Harburger schön geschnitzte und einfach bemalte Toraschrein, der an der Ostwand des Betsaals stand, stammte wohl aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und war rund zwei Meter breit und rund drei Meter hoch. Ungewöhnlich war die über dem Toraschrein angebrachte, aus späterer Zeit stammende Darstellung der Gesetzestafeln, die die Zehn Gebote untereinander ohne Zweiteilung zeigten. Für die Beleuchtung des Betsaals sorgte unter anderem auch ein im 18. Jahrhundert entstandener, 70 Zentimeter breiter und rund 50 Zentimeter hoher Chanukka-Leuchter mit der Darstellung Judiths mit dem Haupt des Holofernes. 

Vermutlich im 19. Jahrhundert wurde der ursprünglich achteckige barocke Almemor erneuert. Die Reste der alten Anlage wie die einst auf der Brüstung aufgestellten Rokokosäulen und Fragmente der gusseisernen Vergitterung fand Harburger 1929 auf dem Dachboden des Gemeindehauses. Gleichfalls aus dem 19. Jahrhunderts stammte wahrscheinlich das Gestühl der Synagoge, das aus Subsellien bestand, die anfangs wohl in auf den Almemor ausgerichteten und später vermutlich in nach Osten orientierten Blöcken aufgestellt wurden. 1840 stellte das Landgericht Eltmann fest, dass die Mikwe in Ebelsbach nicht mehr den Vorgaben der Sanitätspolizei entsprach. Mehr als ein Jahr später wurde schließlich 1841 der Umbau der Mikwe in ein Wannenbad vom Landgericht genehmigt und vermutlich auch aufgrund der Dringlichkeit noch im selben Jahr abgeschlossen.  

Da die Ebelsbacher Kultusgemeinde zu klein für eine selbstständige Gemeinde geworden war, wurden im Frühjahr 1937 die Torarollen und die Ritualgegenstände aus der Synagoge in die Schweinfurter Synagoge gebracht und dort von der örtlichen Polizei beschlagnahmt. Laut der Lokalhistorikerin Cordula Kappner sollen während des Novemberpogroms 1938 Einrichtungsgegenstände und Bücher vor der Synagoge verbrannt worden sein. 1940 erwarb der Ebelsbacher Schrankenwärter für 125 Reichsmark von den Gebrüdern Fleischmann die Synagoge und das Erdgeschoss des angrenzenden Hauses. Da Baumaterial im 2. Weltkrieg rationiert wurde, konnte der neue Eigentümer den bereits 1940 geplante Umbau vorerst nicht durchführen.  

Vor 1949 nahm der neue Eigentümer mehrere kleine Eingriffe an der ehemaligen Synagoge vor und nutzte den Raum als Abstellraum. Da das Haus, in dem die ehemalige Synagoge untergebracht war, später abgerissen und durch einen Neubau ersetzt wurde, ist von der ursprünglichen Substanz der ehemaligen Synagoge nichts mehr vorhanden. 2017 wurden in einem Magazin des "Mainfränkischen Museums", des heutigen "Museums für Franken", ein Thoraschild, ein Paar Rimmonim, zwei Schofarhörner und mehrere gut erhaltene Thoramäntel aus dem 18. Jahrhundert entdeckt, die sämtlich aus der Ebelsbacher Synagoge stammen.


(Stefan W. Römmelt)

Literatur

  • Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns (Hg.) / Cornelia Berger-Dittscheid (Bearb.): Mehr als Steine. Synagogen in Unterfranken. Eine Ausstellung des Staatsarchivs Würzburg in Kooperation mit dem Team des Synagogen-Gedenkbands Bayern und dem Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für jüdisches Leben und gegen Antisemitismus, für Erinnerungsarbeit und geschichtliches Erbe. München 2021 (= Staatliche Archive Bayerns - Kleine Ausstellungen 68), S. 54f-56.
  • Axel Töllner / Hans-Christof Haas: Ebelsbach. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 461-470.
  • Jüdisches Museum München / Museum für Franken in Würzburg (Hg.): "Sieben Kisten mit jüdischem Material", Von Raub und Wiederentdeckung 1938 bis heute, Berlin / Leipzig 2018, S. 150f., Nr. 13.