Jüdisches Leben
in Bayern

Cronheim Synagoge

Die früheste Erwähnung einer Synagoge in Cronheim stammt aus dem Jahr 1668; wahrscheinlich ist sie mit jenem Gotteshaus identisch, das noch 1809 am nördlichen Ortsrand auf einem Privatgrundstück hinter dem Doppelhaus Nr. 64 stand. In jenem Anwesen lebten die jüdischen Familien Wild und Schulmann; im Keller soll sich auch eine Mikwe befunden haben, die aber bereits im späten 18. Jahrhundert aufgegeben wurde. Es sind bisher keine Baudaten oder Angaben zum Aussehen des Gotteshauses bekannt. 

Als die alte Synagoge zunehmend baufälliger wurde, bemühte sich die Cronheimer Judenschaft vergeblich um das inzwischen leer stehende Schloss, um dort einen Betsaal einzurichten. 1812 reichte sie Pläne für den Bau einer Synagoge mit integrierter Schule, Lehrerwohnung und Mikwe ein, der vom zuständigen Landgericht Gunzenhausen sofort gebilligt wurde. Im Jahr darauf kaufte die Gemeinde das Gartengrundstück von Lämmlein Baer direkt gegenüber dem Schloss und nahe dem katholischen Pfarrhaus. Die Wahl des Bauplatzes stieß bei der Geistlichkeit wegen des zu erwartenden "Judengelärms"auf heftigen Widerstand, der jedoch rechtlich haltlos war und bei der Staatsregierung kein Gehör fand. Im Memorbuch der jüdischen Gemeinde wurde der Vorfall so beschrieben: „Am Vortag des Peßachfestes 576 [12. April 1816] wurde der Grundstein zu unserer Synagoge gelegt. Es erhob sich aber eine starke Gegnerschaft gegen diesen Bau. Man veranlaßte die zuständigen Instanzen, sich beschwerdeführend direkt an den bayer(ischen) König Maximilian [Max I. Joseph] mit der Bitte zu wenden, er möchte aus den Archiven den Nachweis erbringen lassen, daß die Errichtung einer Synagoge gegenüber einer Kirche gegen altes Herkommen verstoße. Der König aber entschied, daß ein solches Herkommen nicht bestehe. Und danach ging der Bau in Frieden weiter. Niedergeschrieben z. Erinnerung am Donnerstag, Vortag des Neumonds Aw, 576 [25. Juli 1816].“

Nach einer längeren Planungsphase wurde am Vortag des Pessachfestes 1816 der Grundstein gesetzt, die Bauarbeiten dauerten bis 1817. Die neue Synagoge ist ein zweigeschossiger Massivbau, der mit seinem Walmdach die umgebende dörfliche Bebauung überragte. Die westliche Schmalseite wendet sich der Straße zu. Der westliche Gebäudeteil war dem Wohn- und Schulbereich vorbehalten, an der Nordseite befand sich ein Nebeneingang zu den öffentlichen Räumen: Der Mikwe im Keller unter der Lehrerwohnung, dem Schulzimmer, und der Frauenempore im Obergeschoss, die L-förmig an der Süd- und Westseite verlief. Im Osten lag der Betsaal, der durch jeweils drei hohe, über beide Geschosse reichende Fensterbahnen im Norden und Süden ein eindeutiges sakrales Gepräge bekam. Im Regierungsbericht über den Zustand der Ritualbäder von 1829 sind für Cronheim vier „Kellerquellenbäder“ aufgeführt.

Mehrfach forderte die Landesregierung einen Ausbau und die Einrichtung einer modernen Warmwassermikwe im Synagogengebäude (1830, 1831, 1835), ein 1843 eingereichter Bauplan für ein neues Badehaus blieb dennoch unausgeführt: Einerseits war die Gemeinde „von vielen Schulden beschwert“, andererseits erachtete man die neuen Vorschriften ohnehin als überflüssig. Schließlich beschränkte man sich darauf, die alte Mikwe unter der Lehrerwohnung bis 1844 möglichst kostengünstig umzubauen – eine wenig zufriedenstellende Lösung, die später noch Probleme bereiten sollte.

1840 wurde die Gemeinde auch dazu angehalten, ihre Einrichtung endlich an die neue (reformierte) mittelfränkische Synagogenordnung von 1836 anzupassen und ein feststehendes Gestühl (Subsellien) einzubauen. Erst 1842 wurde die Einrichtung der Synagoge von Schreinermeister Stöckelhuber aus Markt Berolzheim erneuert. Nach dem Umbau boten an den beiden Längsseiten jeweils neun Sitzreihen Platz für 66 Personen. Sie waren nach Osten, auf den vierstufigen Toraschrein ausgerichtet. Zentral in der Mitte des Raumes stand eine achteckige Bima mit Zugängen von Norden und Süden.

Im Winter 1876/77 beschwerte sich Lehrer Jakob Haas offiziell bei der Regierung von Mittelfranken über die baulichen Mängel seiner Dienstwohnung und den vielen Rauch, den das Ritualbad im Keller verbreitete. Bezirksarzt Dr. Klingsohr erklärte nach einem Lokaltermin das Bad als „ekelerregend“, der Bausubstanz schädlich und gesundheitsgefährdend. Bis Dezember 1878 wurde nun doch ein neues Bad hinter der Synagoge errichtet und die Lehrerwohnung vergrößert. Die Kultusgemeinde sah bei der Wiederbesetzung der Lehrerstelle vom Prinzip einer Dienstwohnung ab und zahlte stattdessen eine Entschädigung. Dennoch wohnten auch Nachfolger von Jacob Haas im Schulhaus. Im August 1936 und nochmals im März 1937 warfen Schulkinder während der Gottesdienstes Steine in die Fenster der Synagoge.

Am 21. Oktober 1938 wurde die Synagoge offenbar ein weiteres Mal geschändet und noch im selben Monat an eine Privatperson verkauft. Heute ist das Gebäude ein Wohnhaus und steht auf der bayerischen Denkmalliste. Träger und Leitung vom „AWO-Therapiezentrum & Museum Schloss Cronheim“ haben den Wunsch, die alte Synagoge als Begegnungsstätte und Wohnraum zu nutzen. Das alte Ritualbad im Keller ist wieder freigelegt, die Umbauten ab 1938 sollen teilweise zurückgebaut werden.


(Patrick Charell)

Adresse / Wegbeschreibung

Cronheim 66, 91710 Gunzenhausen

Literatur

  • Angela Hager / Hans-Christof Haas / Cornelia Berger-Dittscheid: Cronheim. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Kartin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 164-174.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 157.