Die ersten Gottesdienste fanden vermutlich in der Betstube eines Privathauses statt. Um 1700 ist erstmals ein eigenes Synagogengebäude für Buttenwiesen nachgewiesen. Laut einem Besitzverzeichnis aus dem Jahr 1760/70 stand die Synagoge bereits am heutigen Louis-Lamm-Platz 6 nahe dem Marktplatz. Nach deren Beschädigung durch einen Brand im Jahr 1852 wurde hier 1856/57 auch ihr Nachfolgebau errichtet.
Die Pläne dafür lieferte der Mauermeister Josef Kratzer aus Unterthürheim. Er hatte vom Königlichen Baukunstausschuss Anfang der 1830er Jahre den Auftrag für den Synagogenbau in Bayern erhalten und errichtete in Buttenwiesen einen rechteckigen Satteldachbau mit neomaurischen Stilformen. In der Fenstergestaltung und Fassadengliederung glich der Sakralbau der wenig später fertiggestellten Synagoge im benachbarten Binswangen. Im Februar 1857 konnte die IKG in Anwesenheit zahlreicher jüdischer und christlicher Gäste die Einweihung des Gotteshaues feiern. Auch sein 50jährige Jubiläum wurde 1907 festlich begangen. Besonders prachtvoll war die Westfassade mit ihren Doppelfenstern und der großen Uhr ausgestaltet. Mit dem Giebelaufsatz mit den 10-Gebote-Tafeln und der ehernen Schlange war die Synagoge das höchste Gebäude in der Gemeinde, höher als das Dach der in unmittelbarer Nähe befindlichen Pfarrkirche. Dies zeigt die Ebenbürtigkeit von jüdischer und christlicher Gemeinde im Ort. Auch die überlieferten Berichte von der 50-Jahr-Feier des Bestehens der Synagoge im Jahr 1907 lassen die Bedeutung der jüdischen Gemeinde und das damals noch gute Einvernehmen von Christen und Juden erkennen.
Während des Novemberpogroms 1938 wurde der Innenraum zerstört und die sakralen Wertgegenstände gestohlen. Mitglieder der jüdischen Gemeinde mussten ihre Synagoge selbst ausräumen und die Torarollen und Ritualien auf den Lastwagen der Plünderer laden. Während der Kriegsjahre diente das Haus als provisorischer Lagerraum.
1949 fiel die ehemalige Synagoge mit allen anderen jüdischen Besitzungen der einstigen Kultusgemeinde Buttenwiesen an die Jewish Restitution Successor Organization. Die politische Gemeinde Buttenwiesen kaufte den Sakralbau 1950 und ließ darin vier Schulräume einbauen. Von da an diente das Haus bis 1994 als Volksschule. Anschließend wurde das Gebäude als evangelischer Kirchentreff, als Museumsdepot sowie als Ausstellungs- und Veranstaltungsort genutzt. Seit 2004 erinnert eine an der Fassade angebrachte Tafel an ihre einstige Nutzung als jüdisches Gotteshaus. Mit einer Ausstellung und einer Gedenkveranstaltung beging die Gemeinde im Frühjahr 2007 das 150jährige Jubiläum der Synagogeneinweihung.
(Christine Riedl-Valder)
Unter dem Titel "Lernort Buttenwiesen" befasst sich die Gemeinde Buttenwiesen intensiv mit der jüdischen Geschichte des Orts. So wurden unter anderem anläßlich des Gedenkjahrs 2021 die folgenden Filme produziert:
Dokumentarfilm: „370 Jahre jüdisches Leben in Buttenwiesen“
Dokumentarfilm: „Eine Pforte des Himmels – mitten im Ort“
Dokumentarfilm: „Religion leben“
Dokumentarfilm: „Ein begehbares Denkmal – die Mikwe“
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Louis-Lamm-Platz 6, 86647 Buttenwiesen
Literatur
- Benigna Schönhagen (Hg.): "Ma tovu ... Wie schön sind deine Zelte, Jakob ...". Synagogen in Schwaben. München 2014, S. 97-101.
- Angela Hager / Hans-Christof Haas: Buttenwiesen. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 423-430.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 136-142.
