Erste archivalische Nachrichten berichten von einer 1780 errichteten Synagoge in der Ortsmitte (Plan-Nr. 220, Haus-Nr. 125; heute Rückgebäude Fellener Str. 14) auf einem Grundstück, das der Vorsteher Jüdle Kath (verst. 1808) seiner Kultusgemeinde unentgeltlich überlassen hatte. Laut späteren Aufzeichnungen ersetzte dieser Sakralbau ein schon in Burgsinn zuvor vorhandenes jüdisches Gotteshaus, dessen Standort jedoch nicht überliefert ist. Kultusvorsteher Jüdle Kath (verst. 1808) hatte das Grundstück seiner Gemeinde unentgeltlich überlassen.
Die Schenkung war jedoch mit der Auflage eines regelmäßigen Gebets verbunden. Darüber kam es zum Streit, der 1793 aktenkundig wurde. Das jüdische Gotteshaus wurde über einem hohen gemauerten Sockel als Fachwerkbau mit Halbwalmdach ausgeführt. Mit einer Breite von 5,30 m und einer Länge von etwa 6,10 m gehörte es zu den kleinsten Sakralräumen seiner Art. Es ersetzte laut einem späteren Beleg einen Vorgängerbau, dessen Standort jedoch nicht überliefert ist. Für das Synagogengebäude musste die Kultusgemeinde an die Thüngensche Patrimonalherrschaft Schutzgeld bezahlen. Trotz scharfer Einsprüche und einer rechtlichen Auseinandersetzung wurden diese Abgaben über das Jahr 1948 hinaus noch verlangt.
Aufgrund ihres renovierungsbedürftigen Zustands und des zunehmenden Platzmangels musste die Synagoge 1863/64 saniert und vergrößert werden. Dabei hat man den zweigeschossigen westlichen Bauteil im Obergeschoss erweitert, so dass die Synagoge nun Raum für 30 Frauen und 32 Männer bot. Ab Herbst 1864 konnte sie wieder für die gemeinsamen Gottesdienste genutzt werden.
In der Pogromnacht vom 10. November 1938 brachen NSDAP-Parteimitglieder und ortsansässige Christen den Sakralraum auf und zerstörten die Inneneinrichtung und Ausstattung völlig. 1940 erwarb ein Privatmann die einstige Synagoge.
Nach dem Zweiten Weltkrieg forderte die JRSO von dem Eigentümer der Synagoge die Zahlung einer Abgeltung. Anschließend wurde der ehemalige Sakralraum als Lager genutzt und in den 1990er Jahren zu einem zweigeschossigen Wohnhaus umgebaut. Im Kern des Neubaus ist noch alte Bausubstanz enthalten.
(Christine Riedl-Valder)
Literatur
- Hans Schlumberger / Cornelia Berger-Dittscheid: Burgsinn. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 155-166.
