Die 1675 verabschiedete Gemeindeordnung der Burgpreppacher Juden erwähnt eine von dem 1674 verstorbenen Eitel Heinrich Fuchs von Bimbach genehmigte Synagoge, die sich im Haus des bereits1646 erwähnten Juden Abraham befand. Da die erste Burgpreppacher Synagoge wohl für die gewachsene jüdische Gemeinde zu klein geworden war, gestattete Eitel Heinrichs Witwe Maria Amalia am 1. Juli 1681 den Umbau des ehemaligen Brauhauses zu einem jüdischen Gemeindezentrum mit Synagoge und Schule. Für ein jährliches Schutzgeld von zwei Gulden sagte die Grundherrin den Burgpreppacher Juden ihren Schutz für die Synagoge und den dort stattfindenden Gottesdienst zu.
1764 errichtete die Burgpreppacher Gemeinde gegenüber vom Schloss eine neue, wahrscheinlich zweigeschossige Synagoge in prominenter Lage an der Hauptstraße des Orts. Baugestalt und -geschichte sind nur unzureichend dokumentiert. Da die nördliche Fachwerkwand der dritten Burgpreppacher Synagoge an den Dorfweiher angrenzte, traten dort bereits am Ende des 18. Jahrhunderts Feuchteschäden auf. Deswegen richtete die Burgpreppacher Gemeinde 1791 an die Dorfherrschaft das Gesuch, die nördliche Synagogenwand durch eine massive Steinwand zu ersetzen und zugleich das Gebäude um drei Meter zu erweitern, da die jüdische Gemeinde ab 1750 stark gewachsen war. Wann die Renovierungsmaßnahmen tatsächlich erfolgten, ist bisher nicht klar. Schließlich verfügte die zweigeschossige Synagoge über eine Länge von rund 15 Metern und eine Breite von 10 Metern. Während den Betsaal im Norden und Westen des Gebäudes je zwei geschossübergreifende Rechteckfenster auszeichneten, gliederten den südlichen Bauteil in jeder Etage Fensterachsen. Im Osten des Gebäudes nahm ein etwa eineinhalbgeschossiger, bis zum Boden reichender Erker den Thoraschrein auf.
Von der Straße gelangte man durch den Haupteingang in den Hausflur, der das Erdgeschoss in zwei unterschiedlich große Hälfte teilte. Gesichert ist nur die Nutzung des größeren Nordteils als zweigeschossiger Männergebetsaal. Der rechteckige Saal war rund neun Meter lang und rund sieben Meter breit. An seiner Ostwand stand der rund sechs Meter hohe und rund zwei Meter breite Thoraschrein, den zwei glatte Säulen mit korinthischen Kapitellen flankierten. Auf diesen saß ein Gesims im Rokokostil auf, über dem eine geschnitzte, mit Rocaillen verzierte und in Gold-, Grün- und Rottönen gehaltene Kartusche angebracht war. Im Zentrum des Betsaals, dessen Bestuhlung unklar bleibt, stand der achteckige, rund zwei Meter breite, rund drei Meter tiefe und rund ein Meter hohe Almemor. Über dem zentralen Hausflur befand sich die Frauenempore, die sich wie der Männerbetsaal zur Ostwand hin orientierte. Zwei Jahre nach Errichtung der neuen Synagoge gründeten die Vertreter der jüdischen Gemeinden im Grabfeld am 30. Juni oder 1. Juli 1766 die „Grabfelder Judenlandschafts-Schulstiftung“. Die "Talmud-Thauroh limdinas Grabfeld" verfolgte das Ziel, männlichen jüdischen Jugendlichen aus dem Grabfeld das Studium der Thora und des jüdischen Rechts in zwei Lehrhäusern in Maßbach und Burgpreppach und anschließend auch weitere Studien an renommierten Talmudhochschulen beispielsweise in Fürth zu ermöglichen. Die materielle Grundlage der Stiftung bildete wohl das Legat eines Juden namens Seckel, das in der Folgezeit durch weitere Zustiftungen ergänzt wurde.
Eine an der Westseite der Synagoge gelegene Mikwe, deren Bauzeit bisher unbekannt ist, wird erstmals im frühen 19. Jahrhundert erwähnt. Südöstlich der Synagoge stand die zweigeschossige, als Massivbau errichtete Burgpreppacher Jeschiwa, die ursprünglich für acht Schüler vorgesehen war. Vier Schüler, für die Unterricht und Verpflegung frei waren, sollten aus armen Familien stammen. Bis 1816 unterrichteten in der Burgpreppacher Jeschiwa der jeweilige Ortsrabbiner und die Stiftungslehrer Abraham Stein und Moses Abraham Mayländer. Schwierig gestaltete sich in der Mitte des 19. Jahrhunderts die Besetzung des Stiftungsausschusses, dessen Vermögen ein von der Kommune Burgpreppach ausgewählter Stiftungsvorsteher verwaltete. Zu den wichtigsten Vertretern der Neo-Orthodoxie in Unterfranken zählten die Burgpreppacher Bezirksrabbiner Abraham Adler, der im Ort von 1838 bis 1845 tätig war, und sein Bruder Joseph Gabriel, der 1845 die Nachfolge seines Bruders antrat. Beide hatten die Ausbildung zum Rabbiner an der Fürther Jeschiwa von Wolf Hamburger durchlaufen und waren mit dem Würzburger Rav Seligmann Bär Bamberger befreundet, einem der wichtigsten Vertreter der jüdischen Neo-Orthodoxie.
1875 wurde der Mainstockheimer Religionslehrer Abraham Hirsch als Bezirksrabbiner nach Burgpreppach berufen. Dort gründete er im selben Jahr die Talmud-Tora-Schule, die zukünftigen jüdischen Lehrern und Auszubildenden in bürgerlichen Berufen offen stand. Vorgesehen war die Vermittlung religiösen Wissens und wissenschaftlicher, zeitgemäßer Bildung, um die Zöglinge religiös zu stärken und zugleich auf die Anforderungen der Berufswelt vorzubereiten. 1877 wurden an der Talmud-Tora-Schule bereits 45 Schüler unterrichtet. 1878 entstand auf einem geschenkten Grundstück das neue, zweigeschossige Schulhaus mit Satteldach im Heimatstil. Im selben Jahr genehmigte die Regierung auch den Lehrplan der Schule, wies aber zugleich auch auf die Notwendigkeit der Beschäftigung seminaristisch gebildeter Lehrer hin. 1881 wurde die Schule, die Zöglinge aus dem gesamten Deutschen Reich anzog, um einen dritten Schulsaal erweitert. 1898 kam ein neues Internatsgebäude hinzu, in dem auch eine Lehrerwohnung untergebracht war. Eine wichtige Konstante im Lehrbetrieb bildete Wolf Neumann, der bis 1901, dem Jahr seines 25-jährigen Dienstjubiläums, rund 600 Schüler ausgebildet hatte und bis zu seinem Tod 1908 an der Schule tätig war.
Mit Beginn des Schuljahrs 1919/1920 wurde die Talmud-Tora-Schule zu einer Talmud-Tora-Präparanden- und Bürgerschule erweitert, die großen Wert auf die Einführung der Schüler in die Quellen der jüdischen Tradition legte. Weitere Schwerpunkte bildeten neben den kaufmännischen Fächern die körperlichen Aktivitäten und die Vermittlung landwirtschaftlicher Grundkenntnisse. Ein ausdrückliches Ziel der Schule; die auch christliche Schüler aufnahm, war die „jüdische Integration in die deutsche Kultur“. Ab 1929 konnten auch Mädchen die Bürgerschule besuchen. Laut Theodor Harburger gehörten 1929 zur Ausstattung der Synagoge unter anderem 13 große und fünf kleine Standleuchter, ein Chanukkaleuchter, zwei silberne Thoraschilde, ein aus dem Jahr 1758/1759 stammender Toravorhang und ein möglicherweise 1756 angefertigter Beschneidungsstuhl.
1938 wurde die 2Private Bürgerschule2 durch die Regierung von Mainfranken geschlossen. Am 10. November 1938 steckten wohl SS-Leute aus Bamberg gegen Mittag die Burgpreppacher Synagoge mit Benzin in Brand, worauf das Gebäude ausbrannte. Verbrannt wurden unter dem Beifall der Dorfjugend auch hebräische Bücher aus der ehemaligen Bürgerschule. Der Versuch Eva Munks der Frau des Rabbiners, die Thorarollen zu retten, scheiterte, da die Männersynagoge bereits für die Brandschatzung vorbereitet und nicht mehr zugänglich war. Unklar ist der Verbleib des Torasilbers und der Leuchter aus Metall. Anfang 1939 verkaufte Rabbiner Saul Munk kurz vor seiner Emigration nach Palästina Grundstücke und Gebäude des Talmud-Thora-Vereins für insgesamt 5000 Reichsmark an die Kommune Burgpreppach. Wenige Monate danach veräußerte Abraham Adler als Vertreter der jüdischen Kultusgemeinde Burgpreppach im Sommer 1939 auch das Synagogengrundstück für fünf Reichsmark an die Gemeinde Burgpreppach, die der jüdischen Gemeinde die angeblichen Kosten für den Abbruch der zerstörten Synagoge in Rechnung stellte.
Die Ermittlungen zum Burgpreppacher Novemberpogrom des Jahres 1938 wurden am 13. Januar 1949 von der Oberstaatsanwaltschaft Bamberg eingestellt. Ergebnislos blieben auch die von der Spruchkammer angestellten Ermittlungen zum Verbleib der Ritualien aus Metall. 1951 willigte die JRSO schließlich in einen Vergleich mit der Kommune Burgpreppach ein, die sich bereit erklärte, 670 DM für das Grundstück zu zahlen, auf dem die frühere Synagoge gestanden hatte. Von der Synagoge ist heute nur noch ein Teil der Grundmauer erhalten.
(Stefan W. Römmelt)
Adresse / Wegbeschreibung
Hauptstraße, Platz mit dem Kriegerdenkmal, 97496 Burgpreppach
Kritische Anmerkung: In wenig sensibler Weise wird der Synagogenplatz regelmäßig als Festplatz der Stadt Burgpreppach verwendet - bei Festen des Ortes steht am ehemaligen Standort der Synagoge ein Bierzelt.
Literatur
- Axel Töllner / Hans-Christof Haas: Burgpreppach. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 424-460.
