Ein jüdisches Gotteshaus gab es bereits im Mittelalter, denn 1434 wird in einem Teilungsvertrag der Freiherren von Schaumberg zu Strössendorf, den Schutzherren der Juden von Burgkunstadt, eine „Judenschule“ in der Vorstadt (heute Kulmbacher Str. 26) erwähnt. Diese, am Mühlbach gelegene Synagoge mit Unterrichtsraum bestand jahrhundertelang und wurde im Laufe der Zeit immer wieder umgestaltet. So auch 1657, als Hans Ernst von Schaumberg den Burgkunstadter Juden wiederum das Lehen für die neu errichtete „Judenschule“ in der Judengasse gewährte. Laut dem Burgkunstädter Häuserbuch war dieses Haus „seit unfürdenklichen Zeiten Eigentum der israelitischen Kultusgemeinde“. Jedoch ist nur wenig über das Gotteshaus bekannt.
Bei der wohl im 2. Viertel des 18. Jahrhunderts wiederum erneuerten Synagoge, die dann 1938 von Mitgliedern der NSDAP zertrümmert wurde, handelte es sich um einen Sandsteinquaderbau mit Halbwalmdach mit den Maßen von zirka 10 m x 12 m. Eine umfangreiche Renovierung der Inneneinrichtung fand vermutlich zwischen 1800 und 1851 statt, ab dann beherbergte die Synagoge auch die Feiertagsschule. Später zog diese in ein neu erworbenes Gebäude um (heute Feuerweg 19).
Am frühen Morgen des 10. November 1938 versammelten sich die Mitglieder der Burgkunstadter NSDAP-Ortsgruppe vor der Synagoge (damals: Adolf-Hitler-Straße). Sie zerstörten die Fenster und die Inneneinrichtung, warfen Torarollen, Gebetbücher und sakrale Gewänder in den Mühlbach und stahlen die Wertgegenstände. Die Schuljugend wurde am nächsten Vormittag vom Lehrer animiert, das Zerstörungswerk zu vollenden. Nur weil Brandgefahr für die umliegenden Häuser bestand, sah man davon ab, die Synagoge anzuzünden. Das Gebäude kam noch am selben Tag als "Schenkung" in den Besitz der Stadt und wurde kurz darauf abgerissen. 1987 wurde auf dem Gelände ein Gedenkstein für die Opfer der Shoah eingeweiht.
(Christine Riedl-Valder)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Kulmbacher Straße (26), 6224 Burgkunstadt
Literatur
- Angela Hager / Hans-Christof Haas: Burgkunstadt. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 106-111.
- Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach, Bd. 2. Fürth 1998, S. 117-130.
