Im Fürstlich Castellschen Kanzleiarchiv ist bereits aus dem ersten Jahr ihrer Mitherrschaft in Burghaslach ein Protokoll erhalten, welches die Existenz einer Synagoge belegt. Ihr Standort, heute etwa Nürnberger Straße 10, befand sich in der münsterschen Ortshälfte. Im Untergeschoss war eine Grundwasser-Mikwe eingebaut. Während eiens fast hundert Jahre währenden Streits hielten die gräflich-castellschen Juden ihre Gottesdienste in Privathäusern ab, deren Standort heute nicht mehr nachvollziehbar ist. Am 19. November 1764 verfasste die Burghaslacher Gemeinde– nunmehr einmütig – ein Schreiben an die dreifache Landesherrschaft, dass die "bißherige Juden Schuhl so sehr Baufällig geworden, dass wir fast nimmermehr Schuhl darinnen halten können". Die alte Synagoge wurde abgerissen und bis zum 30. Mai 1767 ein Neubau errichtet. Von der Architektur ist nur bekannt, dass der Betsaal in der ersten Etage lag und im Erdgeschoss, in der Küche des Vorsängers eine Mikwe eingebaut war. Noch heute hat sich im Nachfolgebau ein Türstock aus Sandstein erhalten, der die hebräische Jahreszahl 5526 (1765/66) trägt.
Das Ritualbad wurde 1828 auf die neuen staatlichen Hygienerichtlinien hin geprüft. Weil sie sich aus dem Grundwasser speiste und nicht gereinigt werden konnte, ordnete das Bezirksamt einen Umbau an. Ob es sich um einen kompletten Neubau oder nur um einen Ausbau der bestehenden Mikwe handelte, ist aus dem Quellenmaterial nicht ersichtlich.
Nach der neuen Synagogenordnung von 1839 ersetzte man die traditionellen Stehplätze in der Synagoge mit östlich ausgerichteten Subsellien und stattete den Betsaal „mit manchem neuen Schmucke“ aus. Nach dem Bau einer neuen Synagoge kaufte der jüdische Arzt Dr. Neuburger das marode Gebäude für 800 Gulden, ließ es abreißen und ein Wohnhaus errichten.
Am 1. Juli 1869 wurde der Grundstein einer neuen Synagoge auf dem Anwesen Neustädter Straße 1 (alte Anschrift 1932: Botsstraße 164) gelegt. Direkt östlich schloss sich ein eigenständiges Schulgebäude an. Heute ist die bauliche Trennung nicht mehr ersichtlich. Die Bima, der Toraschrein und der Lesepult wurden vom örtlichen Schreinermeister Paulus Müller angefertigt. Verschiedene Gemeindemitglieder stifteten die restliche Ausstattung. Am 1. November öffnete vorab die Schule, die neue Synagoge wurde am 10. Juli 1870 mit großem Zeremoniell eingeweiht. Mangels Quellen ist nur eine Beschreibung von außen möglich: Die Synagoge war zur Landstraße ausgerichtet, wohl gab es eine Frauenempore. Die kurze zweiarmige Außentreppe hat sich bis heute in rudimentärer Form erhalten. Offensichtlich fehlten auf der Straßenseite jüdische Symbole, die auf den Zweck des Gebäudes hingewiesen hätten; andererseits besaß es doch einen offiziellen Charakter. 1891 wurde eine neue Mikwe eingebaut.
Im Jahr 1929 wurde die Synagoge, und 1932 die Mikwe saniert. Nach dem Novemberpogrom 1938 wurde das leerstehende Gebäude am 16. Februar 1939 für 1300 Reichsmark der politischen Gemeinde Burghaslach überlassen.
Nach 1945 richtete die US-Armee für seine Truppe im zwischenzeitlich völlig verwahrlosten Gebäude ein englischsprachiges Kino ein. Ende 1946 wollte die katholische Diaspora aus dem benachbarten Breitenlohe das Gebäude zwischenzeitlich als Versammlungsort nutzen, und erbot sich als Gegenzug Gedenktafeln für die vernichtete jüdische Gemeinde anzubringen. Wegen der noch ungeklärten Besitzverhältnisse kam es dazu jedoch nicht. Die ehemalige Schule erwarb schließlich Friseur Georg Hiltel, bis heute befindet sich im substantiell umgebauten Gebäudeteil ein Friseursalon. Die ehemalige Synagoge wurde nach Abschluss der Restitution in den 1950er Jahren von Privatleuten gekauft und zu einer Wohnung umgebaut.
(Patrick Charell)
Bilder
Adresse / Wegbeschreibung
Neustädter Straße 1, 96152 Burghaslach
Literatur
- Barbara Eberhardt / Cornelia Berger-Dittscheid: Burghaslach. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 130-145.
