Jüdisches Leben
in Bayern

Bütthard Synagoge

Der Betraum der Büttharder Judenschaft befand sich 1811 in stark renovierungsbedürftigem Zustand. Daher beschloss man den Neubau einer Synagoge. Sie sollte als Gemeindehaus auch Platz für die Wohnung des Kantors und Lehrers sowie des Schulzimmers bieten. Nachdem die großherzoglich würzburgische Landesdirektion das Vorhaben im Folgejahr genehmigt hatte, konnte die Synagoge auf dem zur Verfügung stehenden Grundstück an der Nordostflanke des Markplatzes (Hausnummer 75, heute: Marktplatz 3) errichtet werden. Das zweigeschossige Gebäude auf rechteckigem Grundriss mit Halbwalmdach wurde im Erdgeschoss und in einem Teil des Obergeschosses massiv gemauert; der westliche Teil des Obergeschosses aber als Fachwerk gebaut. Im Erdgeschoss lagen der zentrale Flur und die Wohnung mit Küche. Im Ostteil war der zweigeschossige Betsaal mit dem Toraschrein an der Ostwand eingerichtet. Eine Treppe an der Nordwand führte ins Obergeschoss zu zwei Schulzimmern im Westteil und zur Frauenempore. 1929 musste die Decke des Betraumes komplett erneuert werden. Nachdem die jüdische Kultusgemeinde 1937 auf nur mehr fünf Mitglieder geschrumpft war, wurde sie aufgelöst. Am 12. November 1937 erfolgte der Verkauf der Synagoge an einen Landwirt. Die Ritualien hat man in die Synagoge Ohel Jakob nach München transferiert, wo sie dem Novemberpogrom 1938 zum Opfer fielen.

Das ehemalige jüdische Gemeindehaus mit Synagoge erfuhr einige Umbauten und wird bis in die Gegenwart als Wohnhaus genutzt. Einige der Originalfenster sind noch erhalten.

 

(Christine Riedl-Valder)

Bilder

Adresse / Wegbeschreibung

Marktplatz 3, 97244 Bütthard

Literatur

  • Axel Töllner / Hans-Christof Haas: Bütthard mit Allersheim. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 585-603.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 46.