Nachweislich lebten 1740 bereits acht jüdische Familien unter dem Schutz der Freiherren von Rußwurm. Diese Zahl lässt darauf schließen, dass die Judenschaft von Bonnland zu dieser Zeit bereits den Minjan für gemeinsame Gebete erfüllen und eine Kultusgemeinde gründen konnten. Man darf daher annehmen, dass spätestens in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts in der jüdischen Siedlung, die im Norden an das Schloss angrenzte, ein Betsaal vorhanden war. 1751 wurde auf dem Schlossgelände nördlich von den sechs Reihenhäusern, ein großes freistehendes "Juden-Hauß" (Plan-Nr. 122, später: Haus Nr. 56) errichtet. Für den Bau mussten die örtlichen Bauern Frondienste leisten, die sie nur sehr widerwillig ausführten. Im Jahr 1839 wird erstmals eine Synagoge erwähnt. Sie befand sich damals entweder im "Judenhaus" (Haus Nr. 56) oder in einem Privathaus. Näheres ist dazu nicht bekannt. Ab Februar 1901 konnte die Kultusgemeinde Bonnland nicht mehr die erforderliche Zahl an religionsmündigen Männern für gemeinsame Gebete aufbringen. Um die Gottesdienste aufrecht zu erhalten, musste sie auswärtige jüdische Männer gegen eine Bezahlung zu den Gottesdiensten anmelden. Die gemeinsamen jüdischen Gottesdienste fanden spätestens in der Zeit des Dritten Reiches ein Ende, im Jahr 1938 wurde das gesamte Dorf zugunsten des Truppenübungsplatzes Hammelburg evakuiert.
(Christine Riedl-Valder)
Literatur
- Cornelia Berger-Dittscheid: Bonnland. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 106-113.
