Jüdisches Leben
in Bayern

Bayreuth Synagoge

Die Israelitische Kultusgemeinde besitzt die älteste noch betriebene Synagoge in Deutschland.1759 erwarb der Hofbankier und Münzlieferant Moses Seckel den neben dem neuerbauten Markgräflichen Opernhaus befindlichen Komplex des alten Komödien- und Redoutenhauses. Das Hintergebäude (Münzgasse 2) wurde zur Synagoge umgebaut. Gleichzeitig konnten sich zehn jüdische Familien in Bayreuth ansiedeln, damit die für einen Gottesdienst erforderlich Zahl von zehn religionsmündigen Männern erreicht wurde. Am 15. März 1760 wurde die Synagoge eingeweiht und der Gemeinde unentgeltlich zur Verfügung gestellt.


Der Grundriss des Gebäudes ist fast quadratisch, die Länge beträgt 17 Meter. Die Südwand der Synagoge hat einen Meter Abstand zum Markgräflichen Opernhaus. Der Betsaal hat eine lichte Raumhöhe von 8,10 Metern. Die Spannweite des Vollwalmdaches beträgt 16,5 Meter. Die Frauenempore lief über drei Seiten und stand auf acht Säulen. Zur Einweihung 1760 stiftete Moses Seckel und sein Frau einen kostbaren Vorhang für den Toraschrein. Der mit Gold- und Silberstickerei versehene Vorhang war 1715 in Baiersdorf hergestellt worden. Im Zuge späterer Umbauten wurde an der Nordseite ein zweigeschossiger Vorbau an das Portal angefügt. Das heutige Bild wird vom Wegfall des westlich angrenzenden Gebäudes und vom Abriss des Vorbaus geprägt.

Im Verlauf der zunehmenden Repressalien musste die Gemeinde den gewohnten Betsaal aufgeben. Vermutlich in einem Sitzungsraum, der auch als Werktagsbetraum genutzt wurde, erfolgte 1934 die Einrichtung einer sogenannten "kleinen Synagoge". In der Pogromnacht auf den 10. November 1938 verwüstete und plünderte eine große Menschenmenge aus Uniformierten und Bayreuther Bürgern die Synagoge. Wegen des benachbarten Opernhauses wurde von einer Brandstiftung abgesehen. Der Staat kaufte am 5. Januar 1939 das demolierte Synagogengebäude von der IKG bzw. der "Reichsvereinigung der Juden in Deutschland" ab. Während der Kriegsjahre wurde sie als Lagerraum einer Zuckerfabrik genutzt.

Mit der Einrichtung einer jüdischen DP-Gemeinde im Jahr 1945 wurden das Dach und Fensterstöcke renoviert, die Inneneinrichtung in Teilen rekonstruiert. Die Finanzierung erfolgte über einen Fonds der Städtischen Sparkasse, zu dem "belastete Nationalsozialisten" beitragen mussten. Einschneidend war der Umbau 1964: Der Betsaal wurde verkleinert, eine Zwischendecke eingezogen und zahlreiche Nebenräume geschaffen. Nach einer weiteren grundlegenden Sanierung wird die Synagoge seit 2018 wieder umfassend von der IKG Bayreuth genutzt. Es ist geplant, dass Funde aus einer Genisa im Dachstuhl der Synagoge museal präsentiert werden, sobald das jüdische Kulturzentrum (Münzgasse 9) fertig gestellt ist.


(Patrick Charell)

Adresse / Wegbeschreibung

Münzgasse 2, 95444 Bayreuth

Literatur

  • Angela Hager / Hans-Christof Haas: Bayreuth. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 1: Oberfranken, Oberpfalz, Niederbayern, Oberbayern, Schwaben. Erarbeitet von Barbara Eberhardt und Angela Hager unter Mitarbeit von Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Frank Purrmann. Lindenberg im Allgäu 2007, S. 92-105.
  • Theodor Harburger: Die Inventarisation jüdischer Kunst- und Kulturdenkmäler in Bayern, hg. von den Central Archives for the History of the Jewish People, Jerusalem, und dem Jüdischen Museum Franken – Fürth & Schnaittach. Bd. 2. Fürth 1998, S. 91.