1830 schenkten Gumb Brunngässer und Gumb Strauß der jüdischen Gemeinde zwei Grundstücke für den Bau einer Mikwe. Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts fand der jüdische Gottesdienst in einem Privathaus statt. Nach dem Erwerb eines Hauses im ehemals freiherrlich von Bastheimschen Lehensguts im Jahr 1850 ließ die jüdische Gemeinde das Gebäude abreißen und dort bis 1851 die Synagoge errichten, die im östlichen Teil des Wirtschaftshofs des Bastheimer Schlosses lag. Ursprünglich stand das eingeschossige, von einem Walmdach bedeckte und auf einem trapezförmigen Grundriss errichtete, rund 13 Metern lange und rund fünf Metern breite Gebäude frei.
Die Synagoge wurde auf einem niedrigen Sockel aus unregelmäßigen Bruchsteinen in Fachwerkbauweise errichtet. Ursprünglich erfolgte der Zugang vom nordwestlich gelegenen ehemaligen Wirtschaftshof. Der rund 54 Quadratmeter große, rund drei Meter hohe Saal bestand aus dem fünf Meter langen und rund sechs Meter breiten Gebetsraum der Männer und dem sich westlich anschließenden Frauenraum. 1921 drohte das Bezirksamt Mellrichstadt aus hygienischen Gründen mit der Schließung der Bsatheimer Mikwe.Nach der Auflösung der Reyersbacher Kultusgemeinde gelangte um 1930 ein zweiter Thoraschrein in die Bastheimer Synagoge. Laut dem Kunsthistoriker Theodor Harburger stammte der einfache, an beiden Seiten von je zwei Doppelsäulen gerahmte Aron ha-Kodesch aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ansonsten erwähnte Harburger nur einen silbernen Thorazeiger. Kurz danach wurde im Jahr 1931 die Bastheimer Synagoge ein letztes Mal renoviert.
Am 15. Juli 1938 verkaufte die israelitische Kultusgemeinde Bastheim die Synagoge an den Nachbarn Gustav Sturm. Noch vor der Reichspogromnacht drangen nationalsozialistische Täter in der Nacht vom 13. auf den 14. September 1938 in die noch nicht ausgeräumte Synagoge ein und zerstörten die Einrichtung und die Ritualgegenstände. 1941 war die Mikwe in das Eigentum eines Zimmermanns in Unsleben übergegangen.
1948 lebte laut einem Bericht des Mellrichstädter Landratsamts eine Flüchtlingsfamilie in der ehemaligen Bastheimer Synagoge, in der auch die Berufsschule einen Raum als Klassenzimmer benutzte. Nachdem die Kolpingfamilie das Gebäude in den 1950er Jahren erworben hatte, wurde das Haus 1952 um einen massiven Anbau erweitert. Die Umfassungsmauern der ehemaligen Synagoge blieben weitestgehend intakt. 2015 ließ die Kolpingfamilie die aus den 1980er Jahren stammende Gedenktafel für die Synagoge und die jüdische Kultusgemeinde erneuern. Die Kommune beteiligt sich am Projekt DenkOrt Deportationen mit zwei Gepäckstücken: Eines erweitert das zentrale Mahnmal auf dem Würzburger Bahnhofsplatz, das Gegenstück wird vor Ort an die deportierten Opfer der Shoah erinnern.
(Stefan W. Römmelt)
Adresse / Wegbeschreibung
Auweg 1, 97654 Bastheim
Literatur
- Gerhard Gronauer / Cornelia Berger-Dittscheid: Bastheim mit Reyersbach. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 671-683.
