Jüdisches Leben
in Bayern

Ruth Lapide (geb. Rosenblatt) Historikerin und Religionswissenschaftlerin

geb. 08.06.1929, Burghaslach
gest. 30.08.2022, Frankfurt am Main

Wirkungsort: Jerusalem | Frankfurt | Nürnberg

Ruth Lapide, geborene Rosenblatt, wurde 1929 im fränkischen Burghaslach bei Bamberg geboren. Während des NS-Regimes durfte sie keine Schule besuchen. Sie wurde von ihren Eltern getrennt und floh mit einer Jugendorganisation nach Palästina und holte dort den Schulunterricht nach. Sie studierte ab 1948 an der Hebräischen Universität in Jerusalem Linguistik, Geschichte und Judaistik. 1960 ging sie mit dem Religionswissenschaftler Pinchas Lapide die Ehe ein. Das Paar engagierte sich in der Folgezeit als Brückenbauer zwischen Juden und Christen, hielt Vorträge und verfasste gemeinsam Bücher, mit denen sie das Verständnis zwischen Christen und Juden fördern wollten. 1974 übersiedelten sie von Jerusalem nach Frankfurt und arbeiteten hier weiter als Vermittler im jüdisch-christlichen Dialog. Nachdem ihr Mann 1997 gestorben war, führte Ruth Lapide diese Arbeit mit ihrem Sohn Yuval fort. Die sprachlich versierte, profunde Kennerin des Alten und neuen Testaments kam sehr oft eklatant falschen Bibelübersetzungen und -Auslegungen auf die Spur und wies nachdrücklich auf die jüdischen Wurzeln des Christentums hin. Ruth Lapide setzte sich zeitlebens für die Versöhnung zwischen Juden und Christen, für die Verständigung zwischen Deutschland und Israel und die Annäherung der drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und dem Islam ein.

GND: 124432956
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