Jüdisches Leben
in Bayern

Otto Iwan Driesen Pädagoge und Diplomat, Direktor des "Philanthropin" in Frankfurt a.M.

geb. 1.03.1875, Segnitz
gest. 25.03.1943, Sobibor

Wirkungsort: Straßburg | Berlin-Charlottenburg | Frankfurt a.M.

Dr. Otto Iwan Driesen studierte in Paris, Berlin, Heidelberg und Straßburg, wo er 1901 promovierte. Zunächst lebte und arbeitete er mit seiner Familie in Berlin und setzte seine Studien als Privatdozent fort. Seit 1910 war er stellvertretender Schulleiter der Charlottenburger Waldschule und entwickelte neue pädagogische Konzepte zum Einsatz damals hochmoderner Medien im Unterricht, zum Beispiel den Kinematographen (Lehrfilme) oder Grammophone (Fremdsprachenunterricht). Durch öffentliche Vorträge und zahlreiche Publikationen stellte er der Fachwelt seinen Multimedia-Unterricht vor, der bis heute die moderne Pädagogik wesentlich prägt. Im ersten Weltkrieg engagierte sich der überzeugte Patriot für die Gold- und Edelmetallsammlungen, wurde 1918 Pressereferent des Reichskanzlers und noch im selben Jahr Leiter des Pressereferats der Deutschen Waffenstillstandskommission. Im April 1921 übernahm er als Direktor das "Philantropin" in Frankfurt a.M. und formte bis 1928 ein musterhaftes "Schulwerk", das sich aus mehreren Leistungsstufen unter einem Dach zusammensetzte. Nach der NS-Machtübernahme führte Dr. Otto Driesen im Philantropin Englischunterricht und "Palästinakunde" ein, um den Schülerinnen und Schülern die Ausreise zu erleichtern. Im März 1943 wurde Driesen mit seiner Ehefrau Henriette geb. Rosenbaum (1876-1943) aus dem besetzten Paris in das Vernichtungslager Sobibor deportiert und dort ermordet.

GND: 133566439
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