geb. um 1250, unbekannt
gest. 01.08.1298, Nürnberg
Wirkungsort: Goslar | Nürnberg
Über Mordechai frühen Jahre ist kaum etwas bekannt; fest steht jedoch, dass er über seine Mutter einer alten und sehr angesehenen Rabbinerfamilie entstammte. Außerdem war er mit Zelda bar Yechiel verheiratet, Tochter des bedeutenden Rabbiners Jechiel ben Josef von Paris (um 1100-1286). Aus der Ehe gingen fünf Kinder hervor. Als junger Mann wurde Mordechai ein Schüler des großen Meir ben Baruch aus Regensburg (um 1220-1293), hatte jedoch noch weitere Lehrer. Auf Rabbiner Meïrs Veranlassung verfasste Mordechai eine Sammlung der bisherigen Responsen und Tosafot, also ein Kompendium mehrerer Jahrhunderte aschkenasischer Gelehrsamkeit zu theologischen und religionsgesetzlichen Fragen. Daraus entstand sein Hauptwerk "Sefer Mordechai", auch als "Das Mordechai" bezeichnet. Das Werk zeichnet sich durch klare Logik aus und wurde in der Folgezeit oft kopiert, überarbeitet, ergänzt und interpretiert, bis der berühmte Rabbiner Jehuda Löw aus Prag um 1600 den "Mordechai" als juristische Grundlage verbot, weil seine reine Aussage allzu verwässert worden war. Bis heute ist jedoch der wissenschaftlich purifizierte "Mordechai" eine oft zitierte Quelle des Schulchan Aruch (Autorisierte Zusammenfassung der Halacha). Mit Abschluss seiner Studien erhielt Mordechai ben Hillel die rabbinische Lehrerlaubnis, hatte tiefgehende Kenntnis über den Talmud und die Halacha, außerdem war er ein Experte der hebräischen Grammatik. Um 1291 zog er für kurze Zeit nach Goslar, ließ sich jedoch nach Differenzen um sein Niederlassungsrecht mit seiner Familie in Nürnberg nieder. In den nächsten sieben Jahren betrieb er dort eine Jeschiwa, die Studenten aus ganz Europa anzog. Er weihte noch 1296 eine neue Synagoge ein, doch zwei Jahre später, als von Röttingen aus das Rintfleisch-Pogrom weite Teile Frankens, die Oberpfalz und andere Teile Altbayerns erfasste, wurde Mordechai ben Hillel zusammen mit seiner Familie und 600 weiteren Jüdinnen und Juden in Nürnberg von einem blutrünstigen Mob ermordet. (nach Israel Jacob Yuval)