geb. 19.09.1812, Baiersdorf
gest. 04.06.1885, München
Wirkungsort: München
Merzbacher wurde als Sohn einer Rabbinerfamilie geboren und legte 1834 am heutigen Wilhelmsgymnasium in München das Abitur ab. Nach der Ausbildung als Rabbiner an den Talmudschulen in Erlangen und Fürth studierte Merzbacher in München und war anschließend kurzzeitig als Rabbiner in Ansbach tätig. 1840 trat er in das Münchner Bankgeschäft J. N. Oberndoerffer ein, das dem Onkel seiner Frau gehörte, und war dort für die Leitung der Münzabteilung zuständig. Nachdem er sich 1873 aus der Bank zurückgezogen hatte, förderte Merzbacher die Publikation der von seinem Freund Raphael Nathan Rabinowitz erstellten wissenschaftlichen Ausgabe des Talmud. Die 16 Bänden der "Dikduke Soferim. Variae lectiones in Mischnan et in Talmud Babylonicum" wurden von 1868 bis 1897 publiziert. Für dieses Projekt baute Merzbacher auch die nach ihm benannte "Bibliotheca Merzbacheriana Monacensis" auf, die ca. 6000 Titel umfasste und 1903 an die Frankfurter Stadtbibliothek verkauft wurde. Merzbachers Münzhandlung übernahm nach dessen Tod 1885 sein Sohn Eugen. Nach seinem Tod kommentierte die "Bayerische israelitische Gemeindezeitung: "Als eines der hervorragendsten und tätigsten Mitglieder der Münchener Kultusverwaltung, der er 1865-1871 und 1878-1885 angehörte, und als höchst aktiver Teilnehmer an dem vielgestaltigen Münchener jüdischen Vereinsleben hat er - für die einen zu liberal und wissensfreundlich, für die andern zu 'schwarz' und orthodox - die ungeschmälerte Erhaltung der Einheitsgemeinde vertreten".
(Stefan W. Römmelt)