1556 und 1562 werden mit den Juden Abraham und Isac erstmals in den Kirchenbüchern jüdische Bewohner von Zeilitzheim genannt. Im Jahr 1635 sind mit der Erwähnung der Schutzjuden Isack, Moises, Isack und Jostlein erste Ansätze einer jüdischen Gemeindebildung sichtbar. Laut einem 1655 angelegtem Verzeichnis ernährten sich die Zeilitzheimer Juden vom Vieh- und Leinenhandel, aber in einem Fall auch vom Betteln. Ein Jahr später, im Jahr 1656, mussten die Juden Frongeld entrichten, und 1660 wird erstmals ein Judenschultheiß erwähnt. 1660 ist erstmals ein Religionslehrer in Zeilitzheim quellenmäßig greifbar. Mehr als zehn Jahre später zahlte die Gemeinde dem Lehrer 1671 rund drei Gulden Schutzgeld.
1740 hatte sich die Zahl der in Zeilitzheim unter schönbornscher Herrschaft lebenden Schutzjuden auf zwölf verdoppelt, die in den Ämtern Volkach, Gaibach, Gerolzhofen und Schwanfeld Handel trieben. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts lebten 14 jüdische Familien in elf Häusern vor allem in der "Unteren Judengasse". 1805 lebten 14 jüdische Familien mit 71 Personen in Zeilitzheim, von denen zwölf 1817 eine Matrikelstelle erhielten. Die Juden lebten vom Viehhandel, Feldbau, dem Handel mit Betten, Eisen und Zinn oder vom Schmusen. 1817 wurde auch das in hebräischer Kursive angelegte Geschäftsbuch des jüdischen Viehhändlers Sigmund Selig II angelegt, dessen Inhalt allerdings noch entschlüsselt werden muss. Rund 20 Jahre später erreichte die Zahl der Jüdinnen und Juden in Zeilitzheim mit 66 Personen im Jahr 1835 einen vorläufigen Höhepunkt. Zu diesem Zeitpunkt lebten acht Familien vom Not- und Hausierhandel, ein Familienvorstand betrieb ein ordentliches Gewerbe, und zwei Familienvorstände waren selbstständig. Die Toten der Gemeinde wurden auf den jüdischen Friedhöfen in Gerolzhofen und Schwanfeld beigesetzt, zuletzt gehörte die IKG Zeilitzheim zum Distriktsrabbinat Kitzingen.
In den folgenden Jahrzehnten nahm die Zahl der in Zeilitzheim lebenden Jüdinnen und Juden bis 1869 kontinuierlich ab, während die Zahl der Familien relativ stabil blieb. So lebten 1869 nur noch zwei jüdische Schulkinder im Dorf. Während vor 1861 zahlreiche junge Juden nach Amerika ausgewandert waren, zogen nach der Aufhebung des Matrikelparagraphen zahlreiche Juden in die Städte. Nachdem sich die jüdische Gemeinde Öttershausen, mit der Zeilitzheim einige Jahrzehnte eine Religionsschule unterhalten hatte, Anfang der 1870er Jahre aufgelöst hatte, wurde 1872 der Wohn- und Amtssitz des Religionslehrers nach Zeilitzheim verlegt. Für Kontinuität in der Religionsschule sorgte die Berufung von Naftali Hirsch, der von 1884 bis 1823 in Zeilitzheim wirkte. 1897 wurde das Schulzimmer dauerhaft im Dach des Lehrerwohnhauses eingerichtet. Dass die Zeilitzheimer Juden sich auch in die nicht-christliche Gesellschaft integrierten, zeigt die Beteiligung von Pfeifer Frankr und Hermann Selig an der Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Zeilitzheim am 9. September 1874. Um 1890 erlebte die jüdische Gemeinde Zeilitzheim, deren Mitglieder wirtschaftlich erfolgreich waren, eine zweite kurze Blütezeit.
Jedoch musste bereits 1912 Kultusvorsteher Lazarus Gutmann einen Antrag auf staatliche Unterstützung der finanziell stark belasteten jüdischen Gemeinde stellen. Immerhin wurden 100 Mark für die Reparatur von Synagoge und Schulhaus gewährt. 1917 hatte sich der Mitgliederschwund der Gemeinde weiter fortgesetzt, die deswegen einen Zuschuss in Höhe von 150 Mark erhielt. Im Ersten Weltkrieg fielen zwei der acht jüdischen Zeilitzheimer Soldaten und wurden auch im Sockel des 1925 errichteten Kriegerdenkmals auf dem Marktplatz genannt. Im Jahr 1922 wurde Religionslehrer Naftali Hirsch anlässlich seines 70. Geburtstags und seines 50-jährigen Dienstjubiläums als Lehrer in der Synagoge geehrt. An der Feier nahmen auch die Vertreter der christlichen Kirchen, die Lehrer und der Bürgermeister der Gemeinde Zeilitzheim teil.
Am 10. November 1938 drangen rund 40 bis 50 SA-Männer in die Häuser und Geschäfte der Zeilitzheimer Juden ein und verwüsteten diese. Misshandelt wurden auch nichtjüdische Zeilitzheimer, die bis zu diesem Zeitpunkt trotz der antisemitischen Propaganda weiter Geschäftsbeziehungen zu Juden unterhielten. Vier jüdische Zeilitzheimer Männer wurden verhaftet und in das Gefängnis des Amtsgerichts Gerolzhofen eingeliefert. Rudolf Frank und sein Bruder Samuel wurden ins KZ gebracht. Der Shoah fielen mindestens 26 in Zeilitzheim geborene oder dort zeitweilig ansässige Jüdinnen und Juden zum Opfer.
Bei einem Prozess vor dem Landgericht Schweinfurt wurde von 13 Teilnehmern des Zeilitzheimer Pogroms am 12. Mai 1950 nur der ehemalige SA-Hauptsturmführer Alexander Haupt wegen schweren Landfriedensbruchs zu einer ein-einhalbjährigen Gefängnisstrafe verurteilt. Seit 1992 erinnert eine Gedenktafel im Vorraum des Rathauses an die ehemalige jüdische Gemeinde in Zeilitzheim. Zwei Tafeln beschreiben den einstigen jüdischen Gemeindebesitz.
(Stefan W. Römmelt)
Bilder
Bevölkerung 1910
Literatur
- Cornelia Berger-Dittscheid: Zeilitzheim mit Öttershausen. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.2. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 1629-1650.
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 217.
