Jüdisches Leben
in Bayern

Wonfurt Gemeinde

Es wird vermutet, dass in der Mitte des 16. Jahrhunderts in Wonfurt eine jüdische Gemeinde entstanden ist. Nach den Angaben bei Alemannia Judaica sei unter der Herrschaft der adeligen Familie von Fuchs im Bereich des sogenannten "Judenhofs" (später Fuchshof) Häuser für zwölf jüdische Familien errichtet worden. Eventuell handelt es sich dabei um Sigmund Fuchs von Wonfurt (vor 1519-vor 1575). Am 24. November 1576 kam der 29jährige Jochinann Büchel aus Wonfurt nach Bamberg, um "vom jüdischen unglauben abzutretten und sich zum Christlichen Catholischen Glauben [zu] begeben". Der Wonfurter wurde als in der hebräischen Sprache wohl erfahren und sehr belesen geschildert. Die Betonung der Hebräisch-Kenntnisse lässt zumindest einen Cheder in Wonfurt vermuten. Bereits wenige Tage zuvor war ein Abraham Blin aus Marckelsheim (Bistum Straßburg) in Bamberg erschienen und hatte den Übertritt zum katholischen Glauben begehrt. Über den Vorgang informiert ein umfangreicher Bamberger Druck von 1577. Eine jüdische Gemeinde bestand auch in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts, als die Schlossherrschaft 1670 ihr Recht formulierte, die Synagoge "abzustellen" oder zu dulden.

Mit dem Übergang der Herrschaft auf die Freiherren von Seckendorff war für neuansässige "Schutzjuden" der Erwerb von Häusern in der heutigen Kirchgasse möglich. Zwischen 1781 und 1791 siedelten sich auch zwei unter dem Schutz der Abtei Theres stehende Familien in Wonfurt an. In den Gemeinderechnungen von 1781/1782 finden sich die Namen Mosche bar Kalonymos, Schimon von Wonfurt und Jom Tov David von Wonfurt. Der Vorsteher der jüdischen Gemeinde, der "Barnoss", war Salomon Mayer. Namentlich bekannt ist auch Raphael Seligmann, der die politische Gemeinde und die Kirchenverwaltung mit Brettern, Nägeln, Farben und Kerzen belieferte. In Wonfurt war auch ein "Judenbuchbinder" mit Namen Mosche tätig, der die Akten des Schlossarchivs der Seckendorff binden durfte.

Sichere Nachrichten über die jüdische Gemeinde in Wonfurt bieten erst wieder die 1817 erstellten Matrikellisten. Da in Wonfurt 24 Matrikelstellen vergeben wurde, war die jüdische Gemeinde sicher auch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zahlenmäßig bedeutsam. Die jüdische Gemeinde war zu dieser Zeit dem Schutz der Freiherren von Seckendorf unterstellt. So besaß der in den 1830 Jahren geborene Schlom Simon seit 1763 einen Seckendorfschen Schutzbrief. Aus der Matrikelaufstellung lässt sich für 1817 eine Zahl von etwa einhundert Gemeindemitgliedern erschließen, die 1820 laut Diözesanbeschreibung mit 422 katholischen Bewohnern in Wondorf lebten. 1832 zählte die jüdische Gemeinde im Topo-geographisch-statistisches Lexicon vom Königreiche Bayern 112 Mitglieder bei 546 Einwohnern. Die Erdbeschreibung des Königreichs Bayern von 1838 notierte 530 Einwohner, darunter 114 jüdische Bewohner. Das Königreich Bayern topographisch-statistisch in lexicographischer und tabellarischer Form dargestellt zählte 1840 120 jüdische Einwohner bei 632 Bewohnern.

Isak Löb Rosenbaum wurde 1854 wegen Bestechung vom Landgericht Schweinfurt zu einer Strafe von 2 Gulden zugunsten der Armenkasse verurteilt. Er war wohl ein Nachkomme von Mayer Wolf Rosenbaum, der als Schnitthändler seit 1811 in Wonfurt einen Schutzstatus hatte. Auch die Vorsteher der jüdischen Gemeinde Ende der 19. Jahrhundert, Reich, Schloß und Mahler, entstammten Familien, die schon vor der Matrikelerstellung in Wonfurt ansässig waren.

Der Größe der Gemeinde angemessen gab es im Bereich des Fuchshofes eine Synagoge, eine Religionsschule und ein rituelles Bad. 1887 beschäftigte die Gemeinde nach den Angaben im Statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes mit Viktor Gottlieb einen Lehrer, der auch als Kantor und Schochet tätig war. 1892 zählte die Gemeinde 21 Familien, wobei noch 14 Kinder die Religionsschule besuchten. Diese Zahl verringerte sich 1998 auf acht Kinder bei eine Zahl von 82 Gemeindemitgliedern in zwanzig Haushalten. 1905 zählte die Gemeinde nur noch 62 Mitglieder, als Filialgemeinde war inzwischen Zeil mit 21 Juden angegliedert. Es konnte aber noch jeden Tag ein Gottesdienst gehalten werden. In den Jahren danach fand ein dramatischer Rückgang der Mitgliederzahl statt. 1911 zählte des Jahrbuch nur noch 10 jüdische Einwohner. Im Jahrbuch 1913 erscheint der Name nur noch im Register. Die Gemeinde dürfte sich zu dieser Zeit bereits aufgelöst haben.


Bilder

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Dirk Rosenstock (Bearb.): Die Unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Würzburg 2008 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 19), S. 147.
  • Gemeinde Wonfurt (Hg.): 1100 Jahre Wonfurt 905-2005. Das alte Wonfurt in Bildern. Wonfurt 2004, S. 34-37.
  • Offentlicher Widerruoff Zweyer geborner Juden Jochinann Büchel (jetzundt Vitus Johannis) von Wonfurt im Bistumb Würtzburg und Abrahae Blin (jetzundt Vitus Abrahae) von Marckelßheim im Bistumb Straßburg gelegen ihres jüdischen unglaubens ... als sie am Newen Jarßtag des 1577. Jars ... getaufft und confirmirt wurden. Bamberg 1577.

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