Jüdisches Leben
in Bayern

Weimersheim Gemeinde

Wann sich im Pfarrdorf Weimersheim Juden niedergelassen haben, liegt vollkommen im Dunklen. Ende des 14. Jahrhunderts fielen Burg Flügling und große Teile des Ortes an die Burggrafen von Nürnberg, die späteren Markgrafen von Brandenburg-Ansbach, daher wäre auch Weimersheim von den markgräflichen Ausschaffungsedikten des 16. Jahrhunderts betroffen gewesen - allerdings fehlen hierfür die Belege, ebenso für eine etwaige Neuansiedlung im 17. Jahrhundert, die von den fränkischen Landesherren nach dem Dreißigjährigen Krieg gefördert wurde. Dafür ist bekannt, dass die jüdische Gemeinde von Weimersheim Ihre Toten auf dem jüdischen Friedhof zu Pappenheim beerdigte und spätestens im 18. Jahrhundert über einen Betsaal verfügte, der 1770 in ein zur Synagoge umfunktioniertes Gartenhaus verlegt wurde. Weimersheim gehörte bis 1806 dem Bezirksrabbinat Ellingen an und wurde nach der Neuordnung im Königreich Bayern dem Distriktsrabbinat Ansbach unterstellt.

Mit dem Judenedikt von 1813 wurden für das Dorf Weimersheim zehn Matrikelstellen vergeben: An Samuel Mändel Reinmund, Lazarus Isaac Neuburger, Isaac Abraham Hoffnung, Samson Abraham Schönbaum, Löw Isaac Mehr, Michael Kern, David Benedict Ehrlich, Dölz Wittmann Meier sowie Hänlein Benedict und Seligmann Benedict Ehrlich. Die Neuburgers gründeten bis 1830 nach dem Wegzug oder Tod anderer Familienväter insgesamt drei Haushalte im Dorf. Im jüdischen Teil des Hoppenlau-Friedhofes Stuttgart liegt die in Westheim geborene Gustel Würzburger (1801-1866) begraben, Tochter von Lazarus und Fanny Neuburger. Die Familien ernährten sich vom Handel mit Kramwaren, Vieh und Leder, Stoffen und Schnittwaren (worauf sich die Neuburgers spezialisierten). Die Kerns waren im Dorf zwei Generationen lang koschere Metzger und Garköche. Gemeindeangestellte gab es keine, die Kinder wurden wahrscheinlich vom Religionslehrer im nahen Ellingen betreut. Durch die allgemeine Ab- und Auswanderungswelle schrumpfte die ohnehin kleine Gemeinde Weimersheim. Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts soll sie bis zu 23 Personen gezählt haben, im Jahr 1877 waren es nur noch fünf - wohl Amson Neuburger mit seiner Familie.Vielleicht bewohnten sie ein um 1800 errichtetes, zweigeschossiges Walmdachhaus, das im Volksmund noch immer „Judenhaus“ genannt wird (heute Störzelbacher Straße 6). Ein Minjan war nicht mehr möglich, weshalb die kleine Synagoge profaniert wurde. Innerhalb der nächsten zehn Jahre haben alle Jüdinnen und Juden den Ort verlassen: Im ersten Statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes von 1887 wird der Ort nicht mehr aufgeführt. Nach Auflösung der Gemeinde wurde die Synagoge als Stall genutzt (was Rückschlüsse auf den baulichen Zustand erlaubt) und besteht heute nicht mehr, die Ausstattung des Betsaals kam nach Ellingen in die dortige Synagoge. Bis zur NS-Zeit lebten vor allem in Ichenhausen mehrere Juden mit dem Familiennamen „Weimersheimer“.


(Patrick Charell)

Bevölkerung 1877

Literatur

  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildungsarbeit A85), S. 198
  • Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Nürnberg - Die Judenmatrikel 1813-1861 für Mittelfranken (gff digital, Reihe A: Digitalisierte Quellen, 1 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien, 1), Nürnberg 2003
  • Friedrich Benedikt Wilhelm Hermann / kgl. Statistisches Bureau (Hg.), Ergebnisse der Volkszählung im Königreich Bayern vom 1. Dezember 1875 nach einzelnen Gemeinden (Gemeindeverzeichnis), München 1877 (= Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 182f.