Jüdisches Leben
in Bayern

Vilshofen an der Donau Gemeinde

In Vilshofen existierte eine kleine hochmittelalterliche Gemeinde, deren Ursprung im Dunkeln liegt. Sie wurde 1338 in einer Pogromwelle vernichtet, die als Nachläufer der Armleder-Verfolgung von Deggendorf ausging. Weitere Informationen gibt es nach aktuellem Forschungsstand nicht. Danach lebten lange Zeit keine Juden mehr in Vilshofen. Erst zur Wende des 20. Jahrhunderts lebten mit der neu gewonnenen Freizügigkeit wieder vereinzelte jüdische Personen in der Stadt. Sie bildeten jedoch eine neue Gemeinde, sondern gehörten der IKG Passau an. Nach dem Sturz der NS-Diktatur gab es von 1945 bis 1950 eine jüdische DP-Gemeinde, die über das Stadtgebiet verteilt lebte. Heute zählt die jüdische Bevölkerung – wenn überhaupt – zur Bezirksgemeinde Straubing/Niederbayern.

Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs richtete die US-Militärregierung in ihrem Sektor (der auch ganz Bayern umfasste) zusammen mit der UNRRA sogenannte DP-Lager und DP-Gemeinden ein. Zehntausende befreite DPs aus den Arbeits- und Vernichtungslagern im Osten fanden so im Land der Täter eine Heimat auf Zeit. In Vilshofen wurde für ein Auffanglager eigens Wohnraum von staatlichen Institutionen und zumeist politisch belasteten Privatpersonen beschlagnahmt. Die jüdische DP-Gemeinde Vilshofen verwaltete sich durch einen gewählten Vorstand größtenteils selbst (Juda Birnbaum, Szmul Polecz) und wurde von der UNRRA versorgt. Im Gebäude der Bank für Landwirtschaft (heute Volksbank-Raiffeisenbank, Stadtplatz 12) richtete sie einen provisorischen Betsaal ein, hier lag das religiöse und das soziale Zentrum der DP-Gemeinde. Über weitere Einrichtungen oder Vereine ist nichts bekannt. Im Dezember 1945 lebten 150 jüdische DPs in der Stadt, und blieb bis März 1946 gleich. Danach schwankte die Zahl, sank auf 34 im September 1946 und erreichte im Juli 1947 wieder 56. Die DP-Gemeinde Vilshofen bestand bis 1950 und wurde dann endgültig aufgelöst.


(Patrick Charell)

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 347.
  • K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 70.