Zwischen 1861 und der NS-Herrschaft hatten nur wenige jüdische Einzelpersonen und Familien in Vilseck gelebt, die auch keine Gemeinde (Kehillah) bildeten. Erst nach 1945 änderte sich das Bild, als die US-Militärbehörden in den Baracken des Truppenübungsplatzes Grafenwöhr ein Lager für jüdische "Displaced Persons" einrichteten, die aus den befreiten Konzentrationslagern stammten oder die Todesmärsche der letzten Kriegswochen überlebt hatten. Bis seine Bewohner 1948 in das DP-Lager Giebelstadt b. Würzburg verlegt wurden, entstand so ein reges, in sich geschlossenes jüdisches Leben mit eigenen Schulen und religiösen Einrichtungen.
Im "Südlager" des Truppenübungsplatzes lebten im September 1946 schon 1.540 jüdische DPs, und mit leichten Schwankungen stieg die Zahl auf bis zu 1.822 im Juli 1947. Die Bewohner des Lagers verwalteten sich nach dem üblichen Muster größtenteils selbst und wählten sich ein Komitee unter dem Vorstand Schlesinger, Marmur und Jablonka. Eine eigene uniformierte Lagerpolizei sorgte für die innere Sicherheit und Ordnung. Im eigens gegründeten Sportverein "Hapoel Vilseck" konnten sich die DPs körperlich entspannen, für den Geist standen eine Bibliothek und diverse Bildungseinrichtungen bereit (Kindergarten, Volksschule, Berufsschule, eine Religionsschule (Cheder) und sogar eine rabbinische Hochschule (Jeschiwa). Im Januar 1948 wurden 1.695 Jüdinnen und Juden im Lager erfasst, die im Lauf des Aprils in das DP-Lager Giebelstadt verlegt wurden. Das Lager Vilseck dient seitdem als US-Armee Garnison Grafenwöhr.
Bevölkerung 1910
Literatur
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 103.
