Jüdisches Leben
in Bayern

Uffenheim Gemeinde

Ende des 13. Jahrhunderts erwähnen Archivalien der Städte Rothenburg ob der Tauber, Würzburg und Nürnberg mehrfach Juden mit dem Namenszusatz „von Uffenheim“. Vielleicht waren sie Flüchtlinge der Rintfleisch-Verfolgung von 1298. Auch die Armleder-Erhebung des Jahres 1336 hatte Uffenheim erfasst. Das um 1435 erstellte markgräfliche Salbuch führt jedoch keine jüdischen Bewohner auf, und in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts nennen die Quellen nur einzelne Schutzjuden, die aus Uffenheim stammten oder dort ihren Wohnsitz hatten. Nach ihrem Tod fanden auf dem Friedhof in Rothenburg ihre letzte Ruhe.

Markgraf Georg von Brandenburg (reg. 1528-1543) gewährte Juden gegen ein jährliches Schutzgeld das Niederlassungsrecht in seiner Stadt Uffenheim. Ein Schutzbrief aus dem Jahr 1532 gab beispielsweise Juden "gen vffenheim zu ziehen zway Jar lanng freihait" unter der Bedingung, keinen Wucher zu treiben und die Abgaben regelmäßig zu zahlen. Ein "Joß Jud" besaß 1530 den Kramerladen im Erdgeschoss des Rathauses (heute Marktplatz 16), "Solomon Jud" war zur gleichen Zeit Eigentümer des Anwesens Nr. 127 (heute Gang 2). Trotzdem sind Informationen aus der Zeit zwischen 1530 und 1630 nur spärlich gesät. Allgemein gilt für das ganze Markgrafentum Ansbach, dass die wiederholten Forderungen des Landtags nach "Ausschaffung" der Juden eine dauerhafte Ansiedelung nahezu unmöglich machten.

Erst während und nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 bis 1648) ist wieder jüdisches Leben in Uffenheim bezeugt. Einzelpersonen und ganzen Familien wurde die Niederlassung gestattet, um die kriegsbedingt verödeten Siedlungen neu zu beleben. Ende des 17. Jahrhunderts gab es eine begrenzte Zahl steuerpflichtiger Schutzjuden, die sich vorwiegend in der "Judengasse" nahe dem Schloss ansiedelten. Ihnen stand eine weitaus größere Menge sogenannter Betteljuden gegenüber; dies waren heimat- und besitzlose Flüchtlinge aus Böhmen, Ungarn, Österreich und Polen, die nach hebräischem Recht den Anspruch auf Unterstützung und Unterkunft für eine Nacht hatten. Den christlichen Stadtoberen Uffenheims war dieser Brauch ein Dorn im Auge. 1699 erteilte Markgraf Georg Friedrich (reg. 1692-1703) der Stadt Uffenheim ein Privileg, dass sie den Zutritt von Betteljuden nach eigenem Ermessen untersagen konnte. Im Jahr 1705 lebten in Uffenheim 57 jüdische Männer, Frauen und Kinder, unter ihnen auch ein "Schulmeister". Ein Minjan kam jedoch nur mit Schwierigkeiten zustande, öfters mussten religiös mündige Männer über 13 Jahren von Außerhalb für einen Gottesdienst in die Stadt kommen. 1733 und 1734 sind eigene Uffenheimer „Vorsinger, Schächter u. Schulmeister“ belegt. Ihre Toten bestattete die Gemeinde zu dieser Zeit auf dem Friedhof in Ermetzhofen. Ansonsten sind für den Rest des 18. Jahrhunderts nur wenige Fakten bekannt: 1751 lebten sieben jüdische Familien mit insgesamt 77 Personen in der Stadt, die Zahl war jedoch konstant rückläufig.1808, als Uffenheim bereits zum Königreich Bayern gehörte, gab es nur noch einen Haushalt mit fünf Personen. Damit hatte die Gemeinde de facto aufgehört zu bestehen.

Für Uffenheim sah das bayerische Judenedikt von 1813 nurmehr eine einzige Matrikelstelle vor. Sie wurde nacheinander vom Warenhändler Lippmann Baer Oesterreicher, vom Ökonom Salomon Hirsch Forchheimer, dem Arzt Jacob Rosenthal und zuletzt dem Rechtsanwalt Meier Marx Aub mit seiner Frau Miene besetzt. Wahrscheinlich besuchten sie die Gottesdienste im benachbarten Welbhausen. Erst als den Juden 1861 Wohn- und Gewerbefreiheit zugestanden wurde, zogen in den kommenden Jahren etliche jüdische Familien – vor allem aus dem näheren Umland – nach Uffenheim. Für den Unterricht der Kinder gab es seit mindestens 1869 einen angestellten Religionslehrer. Ab 1876 füllte Abraham Strauß diese Stelle für 50 Jahre (!) aus und unterrichtete auch an der Lateinschule, dem späteren Progymnasium, außerdem leitete er mit seiner Frau 20 Jahre lang ein jüdisches "Knabenpensionat".

Nachdem der Welbhausener Distriktsrabbiner David Hirsch Haas seinen Wohnsitz 1875 offiziell in die Stadt verlegt hatte, wurde sie auch der Sitz des Rabbinats. Dadurch entstand die Verbundgemeinde Welbhausen-Uffenheim, die nach Haas‘ Tod 1878 dem Distriktsrabbinat Ansbach zugeteilt wurde. Nach und nach schufen sich die Uffenheimer ihre eigenen religiösen Einrichtungen. Ein wichtiges Symbol ihres Selbstbewusstseins war eine neue Synagoge mit hoher Kuppel, die 1890 erbaut wurde und das Stadtbild weithin sichtbar prägte. Als sich die Vollendung des Gotteshauses abzeichnete, unternahmen die Uffenheimer Juden einen weiteren Vorstoß: Welbhausen hatte seine Blüte längst überschritten, dort lebten nur noch 17 jüdische Personen im Vergleich zu den 110 in Uffenheim. Sie führten die Würde und Größe ihres neuen Gotteshauses an und forderten die Auflösung des Rabbinats Welbhausen zugunsten von Uffenheim. Am 25. Dezember 1890 stimmte die Mehrheit der Gemeindeversammlung für die Verlegung der Gottesdienste nach Uffenheim, doch offiziell wurde eine eigenständige Kultusgemeinde Uffenheim nie gegründet. Seit dem Oktober 1891 fanden nur noch in Ausnahmefällen Gottesdienste in Welbhausen statt. Um 1900 kaufte die politische Gemeinde das leerstehende Gebäude und baute es zum Armenhaus um.

Noch immer brachten die Uffenheimer Juden ihre Verstorbenen auf den Friedhof in Ermetzhofen. Als sie vielleicht etwas zu harsch einen Neubau des Taharahauses forderten, empörte sich die Ermetzhofener Kultusgemeinde und sprach den Uffenheimern generell die Mitnutzung ab. Es folgte ein langwieriger Rechtstreit, den Uffenheim erst 1901 gewann – doch für die Frage des Neubaus erklärte sich das Gericht für nicht zuständig. Inzwischen war im Jahr 1900 noch die Gemeinde Weigenheim als Filiale zur Kultusgemeinde gekommen.

Im Ersten Weltkrieg kämpften 22 jüdische Männer aus der Stadt, vier von ihnen starben an der Front und wurden auf dem Kriegerdenkmal in der Luitpoldstraße geehrt. Als der jüdische Religionslehrer Strauß im Jahr 1926 sein 50jähriges Dienstjubiläum feierte, machte "die Teilnahme der ganzen Stadt […] das Fest zu einem wahren Kiddusch haschem", wie die Bayerische Israelitische Gemeindezeitung berichtete. Die evangelischen und katholischen Pfarrer betonten das friedliche Zusammenleben der Religionen. Der damals amtierende Bürgermeister Mantel feierte "in kernigen Worten den Bürger Strauß […]. Wenn im Kampfe der Parteien, in den Zeiten der Leidenschaften die Stadt Uffenheim eine Insel des Friedens geblieben sei, so sei das in der Hauptsache ein Verdienst von Hauptlehrer Strauß". Strauß zählte im Übrigen auch zu den Gründern und Förderern des Heimatmuseums, das in einem eigenen Kabinett die rekonstruierte "Klause eines jüdischen Gelehrten" mit zahlreichen wertvollen Exponaten ausstellte. 

Tatsächlich blieb Uffenheim im ansonsten völkisch orientierten Mittelfranken relativ unauffällig. Freilich konnte das weder die Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933, noch die anschließende Gleichschaltung der Regierung und die sich immer weiter zuspitzende Entrechtung der Juden verhindern. Unter dem neuen NS-Bürgermeister Dr. Leonhard Kreppner wurde eine Reihe von diskriminierenden Verordnungen umgesetzt. Im Juli 1933 kam ein jüdischer Bankier der Stadt in Schutzhaft, "weil sich die Bevölkerung gegen sein Geschäftsgebaren auflehnte". Daraufhin emergierten etliche jüdische Familien oder zogen in die vermeintliche Anonymität der Großstädte. Anfang 1938 lebten nur noch 25 jüdische Frauen, Kinder und Männer in Uffenheim. Die Kultusgemeinde musste für den Spottpreis von 2000 RM am 7. Oktober die Synagoge mitsamt den weiteren Gebäuden inklusive des Grundstücks an die Stadt verkaufen. Eine Woche später wurden die letzten vier jüdischen Männer verhaftet, öffentlich gedemütigt und in das KZ Dachau verschleppt. Die eigentliche Pogromnacht verlief in Uffenheim ruhig, zumal sich die Synagoge bereits in städtischem Besitz befand.

Nach dem Sturz der NS-Gewaltherrschaft im November 1946 lebten in der Stadt wieder eine jüdische Frau, zwei Männer und ein Kind. Der Ermetzhofener Ernst Sämann ließ sich nach seiner Befreiung aus dem Konzentrationslager als Makler in der Stadt nieder. Zur Neugründung einer Kultusgemeinde kam es jedoch nie. Um 1950 nahm Martin Oettinger (1892-1968), einer der Uffenheimer Kriegsteilnehmer und 1939 in die USA emigriert, Gegenstände aus dem "Jüdischen Zimmer" des Museums mit in seine neue Heimat. Seit 1972 ist Welbhausen ein Ortsteil der Stadt Uffenheim. Am 22. Dezember 2006 enthüllte die Stadtverwaltung gegenüber dem ehemaligen Standort der Synagoge ein Mahnmal des aserbaidschanischen Künstlers Aser Walijev (*1963). 


(Patrick Charell)

Bilder

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Barbara Berger-Dittscheid: Uffenheim. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 691-704.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 202.
  • K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 202.