Im Jahr 1607 sind erstmals Juden in Uehlfeld gesichert nachweisbar, als sich der evangelische Ortspfarrer Sebastian Rüdinger beim markgräflichen Kastner über eine geplante israelitische Hochzeitsfeier im Ort beschwerte. Demnach hatten sich bereits früher einige israelitische Familien angesiedelt und ihren Glauben praktizierten. Während des 30-jährigen Krieges (1618-1648) herrschte in Uehlfeld große Not und Elend. Die Menschen mussten miterleben, wie kaiserlich-habsburgische Kroaten am 8. Juli 1632 den Ort plünderten und niederbrannten. Zu diesem Zeitpunkt lebten 39 jüdische Männer, Frauen und Kinder in Uehlfeld, die sich auf die Familien „Ambschel Jud, Wolff Jud, Mosch Jud, David Jud, Joseph Jud, Marx Jud und Mayer Jud“ verteilten. Nach der Brandschatzung war nur noch Mayer am Leben.
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhundert zog der Kaufmann „Marx Jud“ (wohl Mordechai) nach Uehlfeld, erbaute dort ein Haus und handelte mit Eisen, Farben, Leim und Öl. Im Jahr 1684 lebten bereits über sechzig Juden im Ort, die Kultusgemeinde unterhielt einen eigenen Rabbiner und feierte die Gottesdienste im Haus von Kaufmann Marx. Die Kultusgemeinde wollte nun auch eine Synagoge errichten und scheiterte zunächst am Widerstand der Ortspfarrer. Als ein Gemeindemitglied namens Salomon 1696 ein Haus erbaute und nachträglich zur Synagoge umfunktionierte, wurde das jüdische Gotteshaus von den Behörden jedoch nicht mehr in Frage gestellt (Kirchenstraße 6).
Ende des 17. Jahrhunderts und zu Beginn des 18. Jahrhunderts wuchs die Zahl der jüdischen Familien weiter. Die Polemik gegen den jüdischen Bevölkerungsanteil gehörte unter anderem wegen ihrer sinkenden Einnahmen jahrzehntelang zum festen Repertoire der Pfarrer. Von Intoleranz zeugt auch eine Begebenheit vom 3. Oktober 1707: Als in der Scheune des Christen Cornad Schmidt ein Feuer ausbrach, eilte Rabbiner Tobias Levi zur Brandstätte und vollführte ein kabbalistisches Ritual, um seinen Nachbarn zu helfen. Dafür wurde er anschließend vor eine markgräfliche Untersuchungskommission zitiert und musste sich wegen „Zauberei“ verantworten.
Nachdem die Uehlfelder Juden ihre Toten zunächst auf dem knapp 20 km entfernten Friedhof in Zeckern bestattet hatten, bemühten sie sich ab 1719 um die Genehmigung zur Anlage eines eigenen Friedhofs. Erst 1732 gab ihnen Markgraf Georg Friedrich Carl (reg. 1726-1735) die Erlaubnis; die Begräbnisstätte entstand bis 1734 auf einer Anhöhe etwa einen Kilometer nordwestlich des Ortes.
Möglicherweise erst einige Jahre später wurde die Friedhofsmauer und an der östlichen Ecke ein Taharahaus errichtet. 1801 musste man die Mauer erneuern, doch auch diese hinderte im August 1810 unbekannte Täter nicht an einer schweren Schändung der Totenruhe: Das Taharahaus wurde demoliert, der Brunnen zerstört, Grabsteine beschädigt oder umgeworfen. Immerhin machte der amtierende Pfarrer Friedrich Heerwagen das Verbrechen zum Thema einer eindringlichen Kanzelpredigt und entsprach damit dem Wunsch seines israelitischen Kollegen, des Rabbiners Wolf Hirsch.
Bei der ersten staatlichen Erfassung 1811 lebten in Uehlfeld 232 jüdische Frauen, Männer und Kinder. Es gab einen „Schuldiener“ (Schulklopfer und Gemeindediener), einen Schulmeister, dessen Stellvertreter und einen Vizerabbiner. Nach Einführung der allgemeinen Schulpflicht im Jahr 1813 sollten auch die jüdischen Kinder in Uehlfeld die Volks- bzw. Elementarschule besuchen. Auf die nun insgesamt 230 Schülerinnen und Schüler war dieses aber Institut gar nicht ausgelegt. Im Gegensatz zu anderen Orten verlangten daher die Behörden selbst die Gründung einer separaten israelitischen Volksschule, während die Kultusgemeinde sich diese Zusatzkosten gerne erspart hätte. Nach einigem hin und her nahm man den Bau einer neuen, größeren Synagoge zum Anlass und richtete in dem alten Gotteshaus ab 1818 eine provisorische Schule für 70 Kinder ein, die 1820 nach Plänen des „Kreis-Bau Conducteurs“ Wolff umgebaut wurde. Acht Jahre später öffnete die Gemeinde noch eine neue Religionsschule.
Im ersten Drittel des 19. Jahrhunderts, der sogenannten Emanzipationszeit, erlebte das jüdische Uehlfeld eine Blüte: Es zählte mehr als 300 Personen und besaß neben der vorbildlichen Synagoge ein frisch umgebautes Schulhaus, einen Friedhof, einen Rabbiner, Vorsänger und einen Schächter. Laut einer Liste von 1829 gab es im Markt Uehlfeld sechs zugelassene Hausierer, 16 Hopfen- und vier Viehhändler sowie sechs Händler mit verschiedenen Waren. Einige Handerker und die Angestellten der jüdischen Gemeinde vervollständigten die Aufzählung. Etliche besaßen „etwas Feld“ zur Selbstversorgung. Seit 1833 gab es eine eigene Synagogenordnung, neben jener in Fürth die Einzige, die nach dem Erlass der allgemeinen mittelfränkischen Synagogenordnung von 1838 weiterhin in Geltung bleiben durfte.
Uehlfeld war außerdem ein Zentrum der jüdischen Reformbewegung. Der gebürtige Uehlfelder Samson Wolf Rosenfeld hatte ab 1808 als Rabbiner in seinem Heimatort erste Anstöße gegeben. Er wurde 1821 zum Rabbiner des Landgerichtsbezirks Neustadt a.d.Aisch ernannt und wechselte 1825 als Stadtrabbiner nach Bamberg. Seine Laufbahn gipfelte mit der Ernennung zum Bamberger Distriktsrabbiner, und in dieser einflussreichen Position trieb er seine Reformideen weiter voran.
Nach dem Weggang Rosenfelds kamen die Kultusgemeinden im Landgerichtsbezirk Neustadt an der Aisch überein, gemeinsam einen neuen Distriktsrabbiner mit Sitz in Uehlfeld zu wählen. Mit erst 24 Jahren übernahm Dr. Isaak Loewi (1803-1873) das Amt. Der akademisch gebildete junge Wissenschaftler bemühte sich unter anderem um den theologischen Nachwuchs und gründete 1828 die „Unterrichtsanstalt für angehende Rabbiner u. Religionslehrer“. Im selben Jahr bestand die Gemeindemikwe im Keller der Synagoge als eine von nur wenigen Ritualbädern in Mittelfranken die staatliche Hygienekontrolle. Allerdings eckten sowohl Rosenfeld wie auch Loewi bei der starken orthodoxen Faktion an und mussten ihr Reformwerk sogar in der eigenen Gemeinde gegen Widerstände durchringen. Dr. Loewi wurde Ende 1830 zum Stadt- und Distriktsrabbiner in Fürth gewählt. Er blieb dort seiner modernen Linie treu und bestand mit Unterstützung der Behörden viele Konflikte.
Sein Nachfolger in Uehlfeld wurde Hayum Selz aus Harburg. Er gewann die Wahl, obwohl er als Reformer gegen konservative Gegenkandidaten antreten musste, und wirkte vom Oktober 1831 bis zu seinem Tod am 31. Oktober 1876. Ein Beispiel für den Konflikt zwischen Modernisten und Orthodoxen war sein Ringen um einen Synagogenchor im Jahr 1843, den die konservativen Gemeindemitglieder sowohl aus Kostengründen und prinzipiell als Imitation der christlichen Gottesdienste ablehnten. 1845 wurde den jüdischen Kindern aus Lonnerstadt gegen den Widerstand der Uehlfelder Kultusgemeinde der Besuch des Religionsunterrichts in der vorbildlichen Uehlfelder Schule gestattet.
Die Bedeutung der Kultusgemeinde reicht weit über Mittelfranken hinaus: Aus Uehlfeld stammte etwa der Goldschmied Abraham Uhlfelder, der noch in den 1770ern aus Mergentheim nach München übersiedelte und zu einer zentralen Figur der dortigen Kultusgemeinde wurde. Als Vorstand unterstützte er die Reformen des Grafen Montgelas und kämpfte auf Basis der napoleonisch inspirierten Verfassung vom Königreich Bayern für die Bürgerrechte seiner Glaubensgenossen. Heinrich Uhlfelder gründete 1878 ein Haushalts- und Galanteriewarengeschäft im Rosental, das als „Kaufhaus Uhlfelder“ zu einem der bekanntesten Geschäfte in München wurde. Heute steht an seiner Stelle der Erweiterungsbau des Stadtmuseums.
In der zweiten Hälfe des 19. Jahrhunderts gehörten die fest integrierten Uehlfelder Juden zum Alltagsleben. Die jüdischen Feste wurden genauso offen gefeiert wie die christlichen, man besuchte gegenseitig die Tanzveranstaltungen, war in den gleichen Vereinen und Organisationen wie etwa der Freiwilligen Feuerwehr aktiv. Trotzdem fiel es gerade jungen Menschen immer schwerer, auf dem Land ein gesichertes Einkommen zu finden. Viele Juden verließen daher ihre Heimat, zogen ab 1861 mit dem neugewonnenen Recht auf freie Wohnorts- und Berufswahl in die Städte oder emergierten gleich ins Ausland, um sich dort eine Zukunft aufzubauen: Bis 1869 hatte sich die Kultusgemeinde auf 159 Personen verringert. Am Abend des 29. April 1888 brach in der Gaststätte der Witwe Deininger ein Feuer aus, dem elf Gebäude zum Opfer fielen. Darunter befand sich auch das Anwesen der jüdischen Bürger Max Rindsberg (heute Goethestraße 2) und Seligmann Dingfelder (Raiffeisenstraße 6).
Bereits am 25. Mai 1888 kam es zu einer weiteren, weitaus schlimmeren Brandkatastrophe. Von einer Scheune aus trieben starke Winde die Flammen in die Stadt. Am schlimmsten war der Osten des Dorfes mit der Synagoge betroffen. Ein Bericht der „Zeitung für das Feuerlöschwesen“ vom 2. Juni 1888 bezeichnet die heutige Raiffeisenstraße als „Judengasse“ ̶ ein Begriff, der ansonsten für Uehlfeld nicht geläufig war. 35 Gebäude und die Synagoge standen in Flammen. Auch das Schulgebäude brannte aus. Während die Synagoge unter der Weiternutzung des Mauerwerks in denselben Ausmaßen seines Vorgängerbaus wiedererstand, sollte die Schule größer und moderner werden. Für den Bauplatz an gleicher Stelle wurde das benachbarte, bereits niedergebrannte Grundstück der Dingfelder und Sichelstiehls angekauft. Innerhalb nur weniger Monate (sic) wurde das neue israelitische Schulhaus bis zum 15. November 1889 erbaut. Aus Kostengründen vermietete die Kultusgemeinde einige Wohnungen im Erdgeschoss und 1. Stock, die eigentlich für Gemeindediener vorgesehen waren. In einem Anbau kam der jüdische Leichenwagen unter.
Die Lebensfähigkeit der schrumpfenden Landgemeinden wurde durch die Kosten für die seelsorgerischen und karikativen Ausgaben ernsthaft in Frage gestellt. Nach dem Tod von Hayum Selz übernahm 1876 zunächst der Fürther Rabbiner Dr. Jakob Immanuel Neubürger die Verwesung des Distriktsrabbinats Uehlfeld, dass jedoch schon im nächsten Jahr durch den Beitritt vieler zugehöriger Gemeinden in andere Rabbinate de facto aufhörte zu bestehen. Uehlfeld selbst schloss sich am 26. Januar 1877 dem Rabbinat Fürth an. Das Rabbinat Uehfeld erlosch offiziell am 21. Mai 1892.
Eine Gesetzesänderung im Jahr 1923 verlangte, dass die jüdischen Kultusgemeinden nun 20 Prozent des jeweils vom Staat bezahlten Etats für die jüdischen Lehrkräfte selbst zu tragen hatten. Für Uehlfeld bedeutete das eine erhebliche Verschärfung der ohnehin schwierigen finanziellen Lage. Auf den Protest hin empfahlen die Behörden, die ohnehin nur von sieben Schülern besuchte Schule zu schließen – daraufhin zogen die Uehlfelder Juden, in ihrem Stolz getroffen, das Gesuch zurück. Dennoch: Nach über 100 Jahren musste die israelitische Volksschule am 1. Mai 1924 schließen, die Kinder besuchten wieder die allgemeine Schule im Ort. Angesichts der traumatischen Kriegsniederlage, Wirtschafts- und Regierungskrisen sowie der alles erdrückenden Inflation in Deutschland erstarkten in den 1920er Jahren die extremen Ränder der Politik. Bereits 1923 hatte sich in Uehlfeld eine Ortsgruppe der NSDAP gegründet, und es kam zu ersten Belästigungen der jüdischen Bevölkerung. Als die Partei nach dem gescheiterten Luddendorff-Hitler-Putsch verboten wurde, normalisierten sich die Verhältnisse zunächst. Am 15. Juni 1925 wurde die Ortsgruppe jedoch wieder ins Leben gerufen.
Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 kam es verstärkt zu antisemitischen Übergriffen, Sachbeschädigungen und Misshandlungen. Eine tragende Rolle spielte dabei der NSDAP-Ortsgruppenleiter Wilhelm Müller. An den Ortseingängen wurden Tafeln aufgestellt mit der Inschrift: „Jud, du bist erkannt, zumal im Frankenland, / dass du in Uehlfeld noch Geduld’t / d’ran sind die Judenknechte schuld!“. 1935 warfen unbekannte Täter auf dem jüdischen Friedhof Grabsteine um und beschädigten sie. Weil die Kultusgemeinde mit ihren 26 verbliebenen Personen die Reparaturen nicht mehr finanzieren konnte, schloss sie am 1. Januar 1937 eine Versicherung gegen Friedhofsbeschädigung ab. Im Dezember 1936 wurde auch die Synagoge das Ziel von mutwilligem Vandalismus. Beinahe jedes gesellschaftliche Ereignis im Ort endete nun mit antisemitischer Hetzpropaganda. Am 8. November 1938 ließ der Neustätter NSDAP-Kreisleiter Julius Seiler alle Uehlfelder Juden in der Bräustube von Bürgermeister Paul Zwanzger (Burghaslacher Str. 10) zusammenrufen und eröffnete ihnen, dass sie binnen 48 Stunden ihre Wohnstätten zu verlassen hätten. Sie sollten sich – am besten außerhalb Frankens – zu Verwandten oder in Großstädte begeben. Was die jüdischen Frauen, Männer und Kinder während des Novemberpogroms auf den 10. November 1938 erdulden mussten, wurde gerichtlich nicht ermittelt. Fest steht, dass sie nach dem Pogrom ihre Häuser verkaufen und ihre Heimat endgültig verlassen mussten. Nur Elsie Kestler konnte wegen ihrer Heirat mit einem Christen bleiben, sollte sich aber tunlichst nicht im öffentlichen Leben zeigen. In das ehemalige Schulhaus zog bereits im Januar 1939 ein Kindergarten ein. Der jüdische Leichenwagen wurde einige Zeit nach dem Pogrom außerhalb der Ortschaft an der Straße nach Meisach von Unbekannten verbrannt – im Dorf wurde jedoch gemunkelt, es sei im Anschluss an die Geburtstagsfeier des NSDAP-Ortsgruppenleiters Müller geschehen.
Nach Kriegsende wurde der jüdische Friedhof auf Anordnung der US-Militärbehörden wiederhergestellt und umgeworfene Steine aufgerichtet. Die US-Army nutzte auch das jüdische Schulhaus bis April 1946, danach stand das Haus zunächst leer, war zwischenzeitlich Altersheim und ab dem 6. Januar 1948 wieder ein Kindergarten. Heute ist es ein Wohnhaus. Am 14. April 2007 fasste der Uehlfelder Gemeinderat einstimmig den Beschluss, bei der Neugestaltung des Gänsmarkts im Rahmen der Städtebauförderung des Freistaates Bayern einen Gedenkstein im Bereich der ehemaligen Synagoge zu errichten. Die Aufstellung ist jedoch bis dato nicht erfolgt. Gisela Naomi Blume publizierte 2017 mit „Uehlfeld - Jüdisches Leben und Häuserchronik“ einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung der jüdischen Kultusgemeinde, die den Ort für mehrere Jahrhunderte hinweg entscheid geprägt hat.
(Patrick Charell)
Bevölkerung 1910
Literatur
- Gisela Naomi Blume / Gesellschaft für Familienforschung in Franken e.V. (Hg.): Uehlfeld - Jüdisches Leben und Häuserchronik. Nürnberg 2017 (= Freie Schriftenfolge der Gesellschaft für Familienforschung in Franken 25).
- Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Uehlfeld. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Band 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 663-690.
- Falk Wiesemann: Samson Wolf Rosenfeld (1780–1862), Rabbiner in der Emanzipationszeit. In: Manfred Treml / Wolf Weigand (Hg.): Geschichte und Kultur der Juden in Bayern: Lebensläufe. München 1988 (= Veröffentlichungen zur bayerischen Geschichte und Kultur 18), S. 77-84.
