Bei der Vergabe der Judenmatrikel erfassten die Beamten des Königreichs Bayern eine kleine jüdische Gemeinde in Sulzbach am Main (nicht zu verwechseln mit dem bedeutenden jüdischen Druckereizentrum im oberpfälzischen Sulzbach-Rosenberg). Bis 1814 gehörte das benachbarte Obernau zur Gemeinde Sulzbach. Im Jahr 1817 lebten fünf Familien im Ort, 1832 bestand die Gemeinde aus 33 jüdischen Männern, Frauen und Kindern. Da die Judenmatrikeln des ehemaligen Landgerichts Kleinwallstadt vollständig fehlen, bleiben die Namen der damaligen jüdischen Familienvorstände unbekannt. Aus den Listen der Opfer der NS-Zeit sind für Sulzach a.M. jedoch die Familiennamen Uhlfelder und Worms bekannt. Weil ab der Mitte des 19. Jahrhunderts gerade bei den jüdischen Landgemeinden eine teils dramatische Aus- und Abwanderungswelle einsetzte, schloss sich die geschrumpfte Gemeinde Sulzbach 1871 der Kultusgemeinde Kleinwallstadt an. Bis 1910 waren alle Familien weggezogen. In Mainz, Worms und Frankfurt am Main wurden später ehemalige Sulzbacher Jüdinnen und Juden ein Opfer der Shoah.
Literatur
- Dirk Rosenstock (Bearb.): Die Unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Würzburg 2008 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 19), S. 181.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 124.
