Erst ab dem späten 19. Jahrhundert lebten vereinzelt jüdische Mitbürger in Stamsried, die der IKG Cham angehörten. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges richteten die US-Militärverwaltung und die UNRRA in Stamsried Unterkünfte für sogenannte "Displaced Persons" (DPs) ein. Dafür beschlagnahmten sie privaten Wohnraum im Ortsgebiet. Im Dezember 1945 lebten 65 Jüdinnen und Juden in Stamsried und bildeten eine kleine DP-Gemeinde, die sich nach dem üblichen Muster größtenteils selbst verwaltete. Ein gewähltes Komitee unter dem Vorsitz von Leon James, Eliazar Kupferman und Aron Korn hatte in einem Wohnhaus am Marktplatz 11 seinen Verwaltungssitz, dort befand sich auch das soziale Zentrum der Gemeinde und ein Betraum. Von weiteren religiösen oder kulturellen Einrichtungen ist nichts bekannt. Die DP-Gemeinde erreichte im Mai 1946 mit 102 Personen ihren Höchststand und wurde danach wieder kleiner (Dezember 1947: 26 Jüdinnen und Juden), weil die Mitglieder verlegt wurden oder auswanderten. Diese Tendenz verstärkte sich mit der Staatsgründung Israels im Mai 1948. Im Laufe des Jahres wurde die Gemeinde aufgelöst und hat keine Spuren hinterlassen. Das Gebäude am Marktplatz wurde inzwischen abgerissen.
Bevölkerung 1910
Literatur
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 297.
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 126.
