Jüdisches Leben
in Bayern

Plattling Gemeinde

In Plattling lebten seit dem neu gewonnen Recht auf Freizügigkeit 1861 durchgehend jüdische Familien, doch waren es stets zu wenige, als das ein Gemeindeleben hätte entstehen können. Erst 1945 richtete die US-Militärverwaltung gemeinsam mit der UNRRA eine jüdische DP-Gemeinde für jene "Displaced Persons" ein, die aus den befreiten Lagern im Osten kamen und nun im Land der Täter gestrandet waren. Als Unterkunft diente hauptsächlich das Alte Schulhaus im Ort, ein ehem. Nebenlager für Zwangsarbeiter des KZ Flossenbürg. Im neugotischen "Bürgerspital" (Ludwigplatz 8) war ein Betsaal eingerichtet, in dem die DP-Gemeinde zu Gottesdiensten zusammen kam. Hier befanden sich auch die Verwaltungs- und sonstigen Versammlungsräume. Die DP-Gemeinde verwaltete sich unter dem gewählten Vorsitz von Chaim Henry Hammer und Schaja Pacanowski größtenteils selbst und gründete einen Sportklub. Im Januar 1948 erreichte sie wohl auch durch Verlegungen aus anderen DP-Einrichtungen mit 249 Personen ihren Höchststand. Im Februar 1951 zählte sie nur noch 49 Mitglieder und wurde im Laufe des Jahres abgelöst, im Bürgerspital ist heute die Touristeninformation untergebracht. Im Jahr 1989 wurde auf dem städtischen Friedhof ein Denkmal für die Opfer der Shoah in Plattling aufgestellt. (Patrick Charell)

Bevölkerung 1910

Literatur

  • K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 46.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 342.