Jüdisches Leben
in Bayern

Pfreimd Gemeinde

Im Jahre 1397 wurden erstmals Juden in Pfreimd urkundlich nachweisbar. Für das 16. und den Anfang des 17. Jahrhunderts belegen Quellen verschiedene Kauf-, Leih- und Tauschgeschäfte der Leuchtenberger Landgrafen Johann IV. (reg. 1487-1531) und Georg III. (reg. 1531-1555) mit der jüdischen Gemeinde. Sie wohnten ausschließlich oder hauptsächlich in der schmalen "Judengasse" am südwestlichen Rand der Stadtmauer, einem der ältesten nachweisbaren Straßennamen der Stadt, wo sich gemäß einer lokalen Überlieferung in einem der Wehrtürme auch eine Synagoge bzw. Betsaal befand. Wo die verstorbenen bestattet wurden ist nicht bekannt. Das denkmalgeschützte Anwesen Judengasse 16 ("Burggütl") stammt im Kern aus dem 16. Jahrhundert, also aus der Zeit, in der noch Juden in der Judengasse wohnten. Ab 1613 begannen die Bemühungen der Leuchtenberger Stadtherren, die Schutzjuden aus Pfreimd zu entfernen, was aber zum Teil durch Schutzbriefe, zum Teil sogar am Beistand der katholischen Ortspfarrer scheiterte. Im Dreißigjährigen Krieg eroberte 1621 ein protestantisches Heer unter dem Feldherrn Peter von Mansfeld die Stadt. Nachdem seine Soldateska die jüdische Bevölkerung misshandelt und ihnen die Lebensgrundlage geraubt hatte, verließen sie den Ort. Ab 1630 wurden keine Juden mehr in Pfreimd erwähnt, bis mit der neuen Freizügigkeit ab 1861 einige wenige Familien in die Stadt zogen. Siegmund Salomon Arnstein erwarb 1880 die städtische Mühle. Er baute die Mahl- und Sägemühle 1890 in ein Spiegelglas- und Schleifwerk um. Allerdings wurden in der Statistik von 1910 keine jüdischen Einwohner erfasst. Sein Sohn Eugen Arnstein übernahm 1922 das Werk. 1934 wurde die jüdische Familie Arnstein durch den NS-Staat gezwungen das Werk an einen Arier, den langjährigen Werkmeister Georg Hanauer, zu verkaufen. Damit war das jüdische Leben in Pfreimd aufs Neue erloschen.

Literatur

  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 291.
  • Karl Stieler / Ludwig Lehner: Geschichte der Stadt Pfreimd. Amberg 1980.