Jüdisches Leben
in Bayern

Pfarrweisach Gemeinde

Zunächst konnten sich wohl nur einzelne Personen oder Familien jüdischen Glaubens in Pfarrweisach niederlassen. Das Dorf gehörte zum Zent Ebern des Hochstifts Würzburg, doch die Vogtei übten die Herren von (Alten-)Stein aus. Die ersten namentlich erwähnten Personen jüdischen Glaubens im Ort waren Schutzjuden dieser Adelsfamilie: 1530 reiste ein jüdischer Kaufmann namens Kerpflin mit Kollegen zur Frankfurter Frühjahrsmesse und wurde von unbekannten Reitern überfallen. Er hatte einen Schutzbrief des Endres von Stein bei sich. Der nächste Nachweis stammt erst wieder aus dem Jahr 1669, als ein nicht namentlich erwähnter Schutzjude durch Hans Wilhelm vom Stein aufgenommen wurde. Um 1690 lebten am Ort drei jüdische Familien (Joseph, Schimmel und Mayer), die zusammen wohl schon eine kleine Gemeinde bilden konnten. Im Verlauf des 18. Jahrhundert wuchs die Kehillah. 1748 sind zwölf abgabenpflichtige Schutzjuden erfasst: Vier von ihnen besaßen reichsritterliche Schutzbriefe der Herren von Erthal, sieben unterstanden den Altensteinern, einer war sogar liechtensteinischer Untertan. Zur Jahrhundertwende hin lebten sogar siebzehn jüdische Familien im Ort. Sie besaßen Schutzbriefe der Freiherren von Altenstein, einzelne von den Herren von Künitz, der Hochfürstlichen Regierung Würzburg und der Großherzoglichen Landesdirektion Würzburg.


1814 kam das Gebiet endgültig zum Königreich Bayern. Als das bayerische Judenedikt durchgesetzt wurde und die Beamten in den neuen Kreisen die Matrikelstellen vergaben, notierten sie für Pfarrweisach auf insgesamt 13 Matrikeln die folgenden jüdischen Familienvorstände: Den Gemeindelehrer Moses Michel Mayländer, Seligmann Pfeufer Heuchelbach (Viehhändler), Goetzel Hirsch Ehrmann (Viehhändler), Pfeufer Hirsch Weinberg (Viehhändler), David Seligmann Heuchelbach (Viehhändler), Israel Goetzel Ehrmann (Viehhändler),Sußmann Michel Mayländer (Viehhändler), Aron Jacob Friedländer (Warenhändler), Aron Moises Gutmann (Warenhändler), Jacob Abraham Friedlich (Viehhändler), Bela, Witwe von Moses Frank (Warenhändler), David Moises Ehrlich (Warenhändler) und Abraham Levi Straßburger (Kleiderhändler).                                                

Die Pfarrweisacher Synagoge befand sich am südlichen Ortsausgang. Im selben Gebäude lag auch die Lehrerwohnung und eine Kellermikwe (heute Pfarrgasse 18).

Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ebern beigesetzt. Zur Besorgung religiöser Aufgaben der Gemeinde war - zumindest zwischen 1817 und 1832 - ein Lehrer angestellt, der zugleich als Vorbeter und Schochet tätig war. Die Kinder erhielten ihren Religionsunterricht entweder im Betraum oder in einem anderen geeigneten Zimmer.1832 wurden die Schule mit dem benachbarten Kraisdorf zusammengelegt, denn die großen Aus- und Abwanderungswelle erfasste auch Pfarrweisach. Durch den konstanten Abgang vor allem junger Gemeindemitglieder dünnten sich die Reihen schnell aus. 1865 werden noch sechs Familienvorstände erwähnt, ein Minjan kam bereits nicht mehr zustande.1883 lebten nur noch der Witwer Sussmann Kaufmann und seine Haushälterin sowie der Metzger Hirsch Weinberg, seine Frau und sein Sohn am Ort. 1885 bat Sussmann Kaufmann um die förmliche Auflösung der Gemeinde Pfarrweisach. Er war zuletzt der jüdischen Gemeinde Kraisdorf zugeteilt, starb am 7. Juni 1887 und wurde in Ebern beigesetzt. Mit seinem Tod endete die jüdische Geschichte in Pfarrweisach.   

Bilder

Bevölkerung 1875

Literatur

  • Freilandmuseum Franken Bad Windsheim / Herbert May (Hg.): Lang gegrindet - Jüdisches Leben in Franken. Bad Windsheim 2022, S. 46.
  • Kommission für bayerische Landesgeschichte der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.) / Isolde Mayerhöfer: Historischer Atlas von Bayern, Reihe 1 Heft 15: Ebern, München 1964, S. 142f. sowie Kartenbeilage 1 u. 2.
  • Julia Mutzenbach. Pfarrweisach: Exemplarische Rekonstruktion einer jüdischen Landgemeinde. SL 2016 (unveröffentlichte Studienarbeit).
  • K. statistisches Bureau (Hg.) / Friedrich Benedikt Wilhelm Herrmann: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 188.