Über die Geschichte der Juden im Markt Oberschwarzach ist fast nichts bekannt.
Das Gebiet war seit dem 12. Jh. im Besitz der Herren von Stollberg, die auf der gleichnamigen Burg saßen. 1236 fiel Oberschwarzach an das Hochstift Würzburg, Stollberg diente als Amtssitz. Nach der Zerstörung der Burg im Bauernkrieg von 1525 wurde das würzburgische Amt nach Oberschwarzach verlegt. Es nannte sich weiterhin "Amt Stollberg zu Oberschwarzach". Bereits damals umfasste das Amt die heutigen Ortsteile der Marktgemeinde Oberschwarzach. 1814 kamen sie endgültig zum Königreich Bayern. Ob die jüdischen Familien ursprünglich als ritterlich-Stollbergische oder fürstbischöfliche Schutzjuden ein Aufenthaltsrecht erwarben, ist ebenso wenig bekannt wie die Zeit ihrer frühesten Siedlung. Zumindest Ende des 18. Jahrhunderts muss es bereits eine kleine Gemeinde gegeben haben, denn 1813 wurden 18 Jüdinnen und Juden im Ort erfasst.
1817 vergaben die bayerischen Beamten bei der Durchsetzung des Judenedikts vier Matrikelstellen: 1. Gerst Laemlein Schwarz (Viehandel u. Schmusen, d.h. Handelsvermittlung) 2. Laemlein Gerst Silbermann (Viehhandel) 3. Samuel laemlein Silbermann (Viehhandel u. Schmusen). Am 7. Juli 1820 kam noch an 4. Stelle Samson Silbermann (Handel mit Rauchwaren, d.h. Pelzen u. Viehhandel) dazu. Ob jemals ein Minjan zustande kam, ist mehr als fraglich. Die Oberschwarzacher Juden versammelten sich vermutlich in einem privaten Betraum, es gab jedoch weder einen bestallten Vorsänger, noch einen Religionslehrer. Auch in Bezug auf ein Ritualbad ist nichts bekannt. Mit der großen Auswanderungswelle verließen Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem die jungen Jüdinnen und Juden den Markt. 1875 wurden nur noch acht Gemeindemitglieder in Oberschwarzach gezählt, das spätestens ab 1887 zusammen mit Kirchschönbach in die IKG Altenschönbach (Prichsenstadt) eingegliedert wurde. 1910 lebte bereits kein Jude mehr in Oberschwarzach.
Bevölkerung 1875
Literatur
- Dirk Rosenstock (Bearb.): Die Unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Würzburg 2008 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 19), S. 133.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 110.
- K. statistisches Landesamt (Hg.): Gemeinde-Verzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand vom 1. Juli 1911. München 1911 (= Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 216.
- K. statistisches Bureau (Hg.) / Friedrich Benedikt Wilhelm Herrmann: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern vom 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 190.
