Jüdisches Leben
in Bayern

Oberlangenstadt Gemeinde

In Oberlangenstadt, heute ein Ortsteil von Küps, gehen die Spuren von jüdischen Ansiedelungen bis in das 17. Jahrhundert zurück. Bereits unter den Herren von Redwitz wird die Ansiedelung von jüdischen Familien vermutet. Unter dem Schutz der Freiherren von Künsberg sollen 1693 bereits 24 jüdische Familien im Ort gewohnt haben. Verlässliche Zahlen über die Größe der jüdischen Gemeinde in Oberlangenstadt liegen für das 18. Jahrhundert nicht vor. Die Gemeinde muss allerdings so stabil und wohlhabend gewesen sein, dass 1758 ein Synagogengebäude errichtet werden konnte. Die teilweise verworrenen Schulverhältnisse zeigen aber auch, dass der Bau eines eigenen Schulhauses nicht infrage kam.

Die teilweise verworrenen Schulverhältnisse zeigen aber auch, dass der Bau eines eigenen Schulhauses nicht infrage kam. Die Kinder wurden bis 1825 in einer staatlich nicht anerkannten "Winkelschule" in Küps in Religion und hebräischer Sprache unterrichtet, dann besuchten sie die protestantische Schule in Oberlangenstadt. Zwischen 1835 und 1880 erhielten sogar die jüdischen Kinder aus Küps hier Unterricht. Die Zahl der Schüler aus Oberlangenstadt mit zehn bis zwölf Werktags- und vier Sonntagsschülern Mitte des 19. Jahrhundert war allerdings überschaubar. Die Lehrer, deren Namen seit 1780 bekannt sind, waren meist auch Vorsänger und Schächter. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war die jüdische Gemeinde in Oberlangenstadt zahlenmäßig am stärksten: 1840 machten die 96 Jüdinnen und Juden etwa 20 Prozent der Ortsbevölkerung aus. Die meisten Familienoberhäupter waren im Hausierer- und Schnittwarenhandel tätig. Die jüdische Gemeinde gehörte bis 1825 zum Bezirksrabbinat Burgkunstadt, danach bis 1862 zum Bezirksrabbinat in Redwitz, seitdem wieder zum Bezirksrabbinat in Burgkunstadt, das seit 1915 vom Distriktsrabbiner in Bayreuth mit betreut wurde. Die Verstorbenen fanden auf dem jüdischen Friedhof in Küps ihre letzte Ruhe.

Die jüdischen Familien wohnten teilweise in Häusern in der heutigen Nageler Straße, der Alten Poststraße und der Mühlgasse. Das Haus Nageler Straße 16 trägt einen Türsturz mit dem Eintrag "A.H.Cronacher 1855", ein Hinweis auf den Lehrer Abraham Hirsch Kronacher. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts verstärkte sich die Abwanderung. Notwendige Mittel für die Kultuszwecke waren immer schwerer aufzubringen. 1925 zählte man nur noch 18 jüdische Personen. Die zwingende Auflösung der Gemeinde und Zuteilung zu Lichtenfels erfolgte daher 1928/29.

Von den in Oberlangenstadt geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Bernhard Böhm (1883, "Stolperstein" in Kronach), Brigitte Fleischmann (1901), Erna Fleischmann (1911), Max Fleischmann (1896), Siegfried Fleischmann (1896), Julie Goge geb. May (1875), Kornelie Kapauner geb. May (1879, Rosa Lewin geb. Böhm (1879), Ida Lion geb. Meyer (1875), Carrie (Carris) May (1877), Sidonie May geb. Böhm (1886), Gerda Samson geb. Fleischmann (1892), Eugenie Schwarz geb. May (1869), Ernestine Silberthau geb. Böhm (1862), Pauline Sündermann geb. Fleischmann (1877), Rosa Wassermann geb. Fechheimer (1865). 

Bilder

Literatur

  • Christian Porzelt (Bearb.), Die Familie May. Geschichte und Schicksal einer jüdisch-fränkischen Familie. In: Heimatkundliches Jahrbuch des Landkreises Kronach 29 (2019), S. 85-92.
  • Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken. Nürnberg 2017. Ggfs. digital (Reihe A: Digitalisierte Quellen 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien 4).
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 231.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942). Ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur1), S. 266f.