Urkundlich sicher belegt sind Juden in Oberelsbach erstmals in einer Aufstellung vom 6. Mai 1699, die drei im Ort ansässige Schutzjuden erwähnt. Der jüdischen Gemeinde gehörten zu diesem Zeitpunkt insgesamt 15 Personen an. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts lebten sie vom Viehhandel, was eine Beschwerde aus dem Jahr 1720 über einen jüdischen Viehhändler nahelegt, der angeblich einen arbeitsuntauglichen Ochsen verkauft habe. Auch die Dorfverwaltung beschwerte sich in diesem Zeitraum über die Juden, die angeblich die Viehseuche eingeschleppt hätten und die Gemeindeweide intensiv beanspruchen würden.
In den 1730er Jahren des 18. Jahrhunderts lebten zwei Würzburgische Schutzjuden in Oberelsbach, deren Zahl 1746 schließlich auf vier angestiegen war. In der Mitte des 18. Jahrhunderts beklagte sich das Dorf bei der Hochstiftsverwaltung, dass die Zahl der Juden in Oberelsbach stark zugenommen habe.1765 werden sechs im Dorf ansässige jüdische Familienvorstände erwähnt, zu denen auch Schutzjuden anderer Herrschaften gehörten. Zu den bekanntesten Oberelsbacher jüdischen Familien zählen die Eltzbacher, die als Bankiers erfolgreich wirtschafteten. Nachdem schon Jacob Eltzbacher um 1800 zum Hofbankier der Grafen von Rietberg aufgestiegen war und 1807 zum Syndikus des "Fulda-Departments" des kurzlebigen Königreichs Westphalen ernannt wurde, gründeten seine Söhne Jakob und Luis in der Mitte des 19. Jahrhunderts das Kölner Geldhaus "Eltzbacher". 1786 kam es zu einem Konflikt zwischen der Witwe Hennle aus Oberelsbach und dem Bischofsheimer "Vorgänger der Judenschaft" (Barnos), der eine Inventur des der Witwe hinterlassenen Vermögens durchführen wollte. Im Sinne der Witwe lehnte das Würzburger Gebrechenamt das Vorhaben ab. Um 1800 lebten in Oberelsbach 38 Jüdinnen und Juden, die zu vier Schutzjudenfamilien gehörten, deren Kinder der Lehrer Joseph Sußmann unterrichtete.
1805 war die Zahl der Oberelsbacher Juden im Jahr 1805 auf 59 gewachsen, die in zwölf Haushalten lebten und zu den wohlhabenden Gemeinden im heutigen Landkreis Rhön-Grabfeld gehörten. Sie lebten überwiegend vom Vieh-, Wollen-, Tuch- und Lumpenhandel. Spätestens seit den 1860er Jahren unterrichtete ein Religionslehrer die jüdischen Kinder der IKGs Oberelsbach und Nordheim in Oberelsbach, wo auch der Lehrer in einem zweistöckigen Schulhaus wohnte. Von 1874 bis 1881 bekleidete Jakob Dispecker bis zu seinem Wechsel nach Estenfeld diese Funktion. 1883 wurde der Sitz der jüdischen Religionsschule von Oberelsbach nach Nordheim verlegt. Die Toten wurden auf dem jüdischen Friedhof in Neustädtles beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zunächst zum Rabbinat Gersfeld (Hessen), erst seit 1892 zum Distriktsrabbinat Bad Kissingen. Am geselligen Leben des Marktes nahmen auch die jüdischen Oberelsbacher Anteil und engagierten sich im 1890 gegründeten Rauchklub "Nikotia" und dem 1899 für die Aufführung von Theaterstücken ins Leben gerufenen Verein "Rhöngeist".
Im April 1910 waren Max Silbermann, Sigmund Hirsch und Sigmund Lichtstern an der Gründung des lokalen Turnvereins beteiligt. Der Plan, eine israelitische Volksschule in Oberelsbach zu gründen, scheiterte, nachdem die unterfränkische Regierung Ende Dezember 1911 die Gewährung von staatlichen Sonderzuschüssen abgelehnt hatte. In der Weimarer Republik kam es zwischen der IKG und dem Bad Kissinger Distriktsrabbiner Bamberger zu einem längeren Konflikt, weil die Oberelsbacher Religionsschüler nur selten den Unterricht im einige Fußstunden entfernten Nordheim besuchen konnten. Schließlich erklärte sich der in Nordheim ansässige Elementarlehrer Maier Blumenthal bereit, den Oberelsbacher Kindern in ihrem Heimatdorf Religionsunterricht zu erteilen, bis er 1935 in den Ruhestand ging.
Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten kam es am 19. August 1934 während des Oberelsbacher Jahrmarkts zu einem antisemitischen Vorfall, als Arbeitsmänner eines Arbeitsdienstlagers die Jahrmarktbesucher vom Kauf jüdischer Waren abhalten wollten. Als daraufhin Dorfbewohner, zu denen auch Mitglieder des Gemeinderats gehörten, die jüdischen Händler schützen wollten, musste die Gendarmerie eingreifen, um den Konflikt zu beenden. 1935 verschärfte sich die Situation, was dazu führte, dass ein Gemeinderat seinen Posten verlor, da er bei einem jüdischen Kaufmann Kleidung erworben hatte. Die zunehmende Diskriminierung veranlasste mehrere junge jüdische Oberelsbacher zur Emigration: 1935 wanderte Sigmund Haas in die Südafrikanische Union aus, und 1937 entschlossen sich Michael (Michel) Haas und die Brüder Albert und Siegfried Kahnlein zur Emigration nach Argentinien.
Am frühen Morgen des 10. November 1938 fand in Oberelsbach ein vor allem von 15 bis 20 SA-Männern aus dem damals thüringischen Nordheim vor der Rhön und dem dortigen evangelischen Pfarrer Bauss durchgeführtes Pogrom statt. Nachdem die Nationalsozialisten in die Häuser der meisten Oberelsbacher Juden eingedrungen waren, wurde das Inventar der Wohnungen zerschlagen. Körperliche Gewalt erfuhr Max Silbermann, den ein Ostheimer Gastwirt, mit dem er zuvor befreundet war, die Haustreppe hinunterstieß.Verschont blieb nur die Familie Haas, da in ihrem Anwesen auch Nichtjuden lebten. Am Abend desselben Tags wurden die männlichen Oberelsbacher Juden in „Schutzhaft“ genommen. Der Viehhändler Albert Kahnlein wurde anschließend in das KZ Dachau gebracht und dort Anfang Januar 1939 entlassen. In diesem Jahr emigrierten mehrere jüdische Oberelsbacher in die USA.
Am 7. Februar 1942 lebten in Oberelsbach noch sechs Jüdinnen und Juden: Die Schwestern Rosalie und Selma Haas, das Ehepaar Marianne und Moritz Kahnlein sowie das Ehepaar Betty und Heinrich Silbermann.
Sie wurden am 25. April 1942 von Würzburg nach Krasniczyn, bzw. am 23. September nach Theresienstadt deportiert, wo sie ums Leben kamen. Insgesamt fielen zehn in Oberelsbach geborene Jüdinnen und Juden und sechs jüdische Personen, die während der NS-Zeit im Dorf gewohnt hatten, der Shoah zum Opfer.
Am 25. August 1950 wurden bei einem Prozess vor dem Landgericht Schweinfurt vier der fünf Angeklagten, die an den antisemitischen Ausschreitungen in Oberelsbach vom 10. November 1938 beteiligt waren, zu Haftstrafen von sechs Monaten bis zu 15 Monaten verurteilt. Das ehemalige jüdische Schulhaus, das nach dem Zweiten Weltkrieg leer gestanden hatte, wurde 1956 abgerissen. An der ehemaligen Synagoge, heute ein privates Wohnhaus, wurde eine Gedenktafel für die vernichtete jüdische Gemeinde und ihr Gotteshaus angebracht. Laut einer Mitteilung vom Herbst 2018 will sich die Kommune Oberelsbach auch an der Initiative DenkOrt Deportationen in Würzburg beteiligen, das entsprechende Mahnmal steht noch aus (Stand 2023).
(Stefan W. Römmelt)
Bevölkerung 1910
Literatur
- Gerhard Gronauer / Cornelia Berger-Dittscheid: Oberelsbach mit Weisbach. In: Wolfgang Kraus, Hans-Christoph Dittscheid, Gury Schneider-Ludorff (Hg.): Mehr als Steine… Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/2: Unterfranken Teilband 2.1. Erarbeitet von Cornelia Berger-Dittscheid, Gerhard Gronauer, Hans-Christof Haas, Hans Schlumberger und Axel Töllner unter Mitarbeit von Hans-Jürgen Beck, Hans-Christoph Dittscheid, Johannes Sander und Elmar Schwinger, mit Beiträgen von Andreas Angerstorfer und Rotraud Ries. Lindenberg im Allgäu 2021, S. 819-838.
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 237.
