Jüdisches Leben
in Bayern

Niedernberg Gemeinde

Niedernberg entstand durch und auf einem römischen Kastell des Limes. Das jüdische Leben im Ort begann aber erst Ende des 17. Jahrhunderts unter den der Grafen von Ingelheim genannt Echter von und zu Mespelbrunn, die seit 1584 die Ortsherrschaft innehatten. 1692 lebten drei Schutzjuden im Ort, 1755 waren es zwei jüdische Familien, 1801 schließlich 18. Im Jahr 1830 lebten 24 Jüdinnen und Juden in Niedernberg, womit die Gemeinde aber ihren Höhepunkt erreichte. Sie bildete kurzzeitig eine Kehillah, da ein Minjan mit zehn erwachsenen Männern zustande kommen konnte. Es gab jedoch keine Synagoge oder Betraum, keine Mikwe und erst recht keine jüdische Schule im Ort – die Niedernberger Gemeinde benutzte stets die Einrichtungen der rund fünf Kilometer entfernten Nachbargemeinde Großwallstadt und beteiligte sich an deren Unterhalt. Viele Bürger verließen im 19. Jahrhundert wegen Missernten und sozialen Notlagen ihre Heimat Niedernberg und wanderten in die USA aus. Die große Auswanderungswelle traf auch die jüdische Kultusgemeinde mit voller Wucht. Noch vor 1870 verließen die letzten Familien den Ort, auch die Kultusgemeinde in Großwallstadt löste sich zu dieser Zeit auf. An die Juden in Niedernberg erinnerte lange Zeit ein altes Haus auf dem heutigen Anwesen Hauptstraße 24, das sich von 1809 bis circa 1855 im Besitz der Familie Hamburg befunden hatte. In den Worten von Israel Schwierz (*1943): "Es wurde im Jahre 1988 abgerissen. So gibt es heute keinerlei steinerne Zeugen jüdischen Lebens mehr im Ort".

Literatur

  • Rosenstock, Dirk: Die unterfränkischen Judenmatrikel von 1817 (Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg, Band 13), Würzburg 2008, S. 221
  • Schwierz, Israel: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern, 2. Aufl. München 1992, S. 103 f.
  • Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften (Hg.) / Wilhelm Störmer: Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken, Reihe 1 Heft 25 (Miltenberg). München 1979, S. 99f.