In Münnerstadt, im Herrschaftsbereich der Grafen von Henneberg, hat wahrscheinlich schon im 13. Jahrhundert eine jüdische Gemeinde bestanden. Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuchs berichtet im Zusammenhang mit der Rintfleisch-Verfolgung von 1298 auch von Opfern in Münnerstadt. Eine weitere Verfolgung der jüdischen Gemeinde im Zusammenhang mit den Pestpogromen 1348/49 ist indirekt zu erschließen. Gräfin Jutta von Henneberg übergab 1351, in Ausübung des Judenregals, die Synagoge den Bürgern der Stadt. Eine jüdische Gemeinde dürfte also zu diesem Zeitpunkt nicht mehr vorhanden gewesen sein.
Notizen aus dem 15. Jahrhundert sind spärlich. In den Frankfurter Stadtprotokollen wird für 1409/1410 berichtet, Katharina, die Tochter Rudolfs von Sachsenhausen, wurde in Frankfurt eingekerkert. Die Anklage lautete, sie habe einem Juden ihr Kind gegeben, der es nach Münnerstadt (Mourstad) gebracht habe. Dort sei der Jude gefangengenommen und verbrannt worden. Die Mutter sei aber nach einem Vierteljahr aufgrund der Intervention Frankfurter Bürger mit einer Entschädigungszahlung wieder freigelassen worden. Nach einer archivalischen Überlieferung von 1442 schuldete das Hochstift Würzburg einem Juden n Münnerstadt 30 Gulden. Im 19./20. Jahrhundert haben sich dauerhaft keine jüdischen Familien / Personen in der Stadt niedergelassen (zu Familie Selly Gutmann siehe unten). Das Gymnasium der Stadt wurde allerdings von jüdischen Schülern von Gemeinden aus der Umgebung besucht. Der Religionsunterricht wurde durch einen jüdischen Religionslehrer erteilt (1897 durch Lehrer Bergenthal aus Bad Neustadt a.d.Saale.
Literatur
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 102.
- Germania Judaica. Band III: 1350-1519, Tübingen 1987, 1. Teilband, S. 908.
- Germania Judaica. Band II: Von 1238 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, Tübingen 1968, 2. Halbband, S. 559.
- Siegmund Salfeld: Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches. Berlin 1898 (= Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland 3), S. 66, 79, 233, 271.
- Moritz Stern: König Ruprecht von der Pfalz in seinen Beziehungen zu den Juden. Ungedruckte Königsurkunden nebst ergänzenden Aktenstücken. Kiel 1898, S. LVIII.
- Georg Ludwig Kriegk: Frankfurter Bürgerzwiste und Zustände im Mittelalter, Frankfurt/Main 1862, S. 543f.
