Jüdisches Leben
in Bayern

Mönchsroth Gemeinde

Löw und Leo, die zu Pfingsten 1593 die Handelsmesse in Nördlingen besuchten, sind die ersten urkundlich erwähnten Mönchsrother Juden. Die Grafen von Oettingen hatten ihnen die Ansiedelung auf ihrem Gebiet erlaubt. Schutzbriefe für jüdische Einwohner in Mönchsroth sind aus den Jahren 1693, 1705 und 1713 erhalten. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wuchs die jüdische Gemeinschaft von drei Familien im Jahr 1701 auf 22 im Jahr 1757 an – sehr zum Ärger der Ortspfarrer, die um ihre Einnahmen fürchteten und mit den Ersatzzahlungen der jüdischen Einwohner stets unzufrieden blieben. Auch gegen die Einweihungsfeier der Synagoge opponierte Hochwürden Johann Paul Krauß mit düsteren Warnungen über den Prunk und die zu erwartenden Ausschweifungen; die feierliche Prozession am 29. August 1761 musste daher auf Anordnung des Fürsten in reduzierter Form stattfinden. Die Gemeindemitglieder lebte von verschiedenen Handelstätigkeiten, ihre Lebensverhältnisse waren sehr unterschiedlich. Einer Vermögensklassifikation von 1770 zufolge gab es neben neun mittelosen und drei armen Haushalten auch sechs mit einem Vermögen bis zu tausend Gulden. Dreizehn Familienväter gaben ein höheres Vermögen an. Wirklich reich waren jedoch nur der Barnoss Hirsch Levi (23.000 Gulden) und Lazarus Simon (7.900 Gulden), in dessen Haus bis zum Bau der Synagoge die Gottesdienste abgehalten wurden. Ende des 18. Jahrhunderts lebte noch ein eigener Rabbiner in Mönchsroth: David Zi Morum, der 1798 in Fürth einen Kommentar zu den „Sprüchen der Väter“ (Pirke Avot) unter dem Titel „Lieblichkeiten des Zwi“ veröffentlichte.

Als Mönchsroth 1806 zu Bayern kam, änderten schon bald neue staatliche Vorgaben den Alltag der Juden. Die drei Ritualbäder im Ort, die in der Synagoge und zwei Privatkellern eingerichtet waren, erfüllten nicht die neuen Hygienevorschriften von 1829 und mussten schließen. Für ein beheizbares Badehaus auf dem Gartengelände ihres Gotteshauses musste die Gemeinde einen Kredit von 500 Gulden aufnehmen. Auch der Schulunterricht wurde grundlegend umgestaltet: Hatten noch 1821 vier jüdische Privatlehrer in „Winkelschulen“ gelehrt, forderte die Regierung des Rezatkreises 1823 mehrfach und nachdrücklich die Errichtung einer öffentlichen israelitischen Schule. Dies überstieg jedoch die finanziellen Möglichkeiten der 42 immatrikulierten Familien. Die Geschichte des jüdischen Schulwesens in Mönchsroth bedarf noch einer genaueren Erforschung, jedenfalls etablierte Lehrer David Schuster, nachdem er als einziger im Ort die staatliche Prüfung bestanden hatte, bis 1827 eine Elementarschule mit drei Klassen. Sein Nachfolger Meyer Braunschweig von 1834 an in einem „von der Gemeinde angemieteten Zimmer im Haus Nr. 56 (heute Sägweiherstraße 2) 55 Werktags- und 23 Sonntagsschüler. Unklar ist, ob bis 1860 auf staatlichen Druck ein eigenes Schulhaus gebaut wurde, oder ob Lehrer auf eigene Kosten ein Haus erworben hatte und von seiner Gemeinde Miete erhielt und Heizkosten erstattet bekam.

Seit dem frühen 19. Jahrhundert gehörte die Kultusgemeinde zum Distriktsrabbinat in Oettingen, bis der dortige Oberrabbiner Dr. Meyer Feuchtingen 1857 sein Amt niederlegte. Danach schloss sich Mönchsroth dem Distrikt Wallerstein an, dessen Sitz im Juni 1876 nach Kleinerdlingen verlegt wurde. Ihre Toten bestatteten sie auf dem jüdischen Friedhof in Schopfloch, später auch in Wallerstein.

Die finanzielle Situation der verschuldeten jüdischen Gemeinde verschlechterte sich im Laufe des Jahrhunderts immer weiter; einerseits musste sie ihre religiösen und karikativen Aufgaben erfüllen, andererseits blieb sie von der anhaltenden Abwanderungswelle betroffen: Gerade junge Jüdinnen und Juden wanderten vor allem nach Nordamerika aus, oder zogen ab 1861 verstärkt in größere Städte. Von 1833 auf 1880 kam es fast zu einer Halbierung der jüdischen Bevölkerung. Vor allem aus Kostengründen wurde die jüdische Schule aufgegeben, alle Dorfkinder gingen ab dem 1. Mai 1890 wieder gemeinsam in die christliche Volksschule und bekamen nur einen separaten Religionsunterricht. Bis in die späten 1920er Jahre gab es in den Erinnerungen vieler Zeitzeugen weder Berührungsängste noch ernstzunehmende Ressentiments. Für die Dorfjugend war der Hof des Viehhändlers Moritz Behr (heute Sägweiherstraße 1) ein beliebter Treffpunkt. Behr war Vorsitzender des Gemütlichkeitsvereins, legte den ersten Fußballplatz des Ortes an und trug auch zum ersten Sportplatz bei.

Das gute Verhältnis zwischen den Religionen endete spätestens mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten im Januar 1933. Die meisten Juden verließen in den folgenden Jahren Mönchsroth und wanderten nach Palästina, Luxemburg und in die USA aus. Andere zogen wenigstens in die vermeintlich sichere Anonymität der Großstädte. Die wenigen verbliebenen Schulkinder mussten ab 1936 in eine Sonderklasse nach Dinkelsbühl gehen.

Weil mit den drei verbliebenen männlichen Gemeindemitgliedern kein Gottesdienst mehr möglich war, beschloss der Verband Bayerischer Israelitischer Gemeinden am 10. Mai 1938 die Auflösung der Kultusgemeinde Mönchsroth. Noch im Sommer ließ der Verband die Ritualien aus der Synagoge nach Marktbreit abholen. Das Schulgebäude kaufte ein christliches Ehepaar, auch zum Verkauf des leerstehenden Synagogengebäudes bestanden bereits Verhandlungen. Im Novemberpogrom wurden die verbliebenen Juden schwer misshandelt und für Wochen inhaftiert, danach zwang man sie zum Verkauf ihrer Häuser. Bis Januar 1939 hatte der letzte von ihnen Mönchsroth verlassen, das jüdische Leben war dauerhaft erloschen.

Seit 2006 steht in Mönchsroth ein Gedenkstein, der dem ehemaligen Hochzeitsstein an der Synagoge nachgebildet ist. Die Bildhauerin Birgit Hähnlein-Häberlein verwendete dabei hebräische Buchstabenschablonen, die bereits ihr Urgroßvater benutzt hatte. 


(Patrick Charell)

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Mönchsroth. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler, Lindenberg im Allgäu 2010, S. 422-433.
  • ohannes Mordstein: „daß wür ebenfahlß Eur Hochgräffliche Excellenz gehorsame unterthanen seint.“ Partizipation von Juden an der Legislationspraxis des frühmodernen Staates am Beispiel der Grafschaft Oettingen 1637- 1806. In: Rolf Kießling, Peter Rauscher, Stefan Rohrbacher, Barbara Staudinger (Hg.) Räume und Wege Jüdische Geschichte im Alten Reich 1300-1800. Berlin 2007 (= Colloquia Augustana Band 25), S. 79-105.
  • K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 176.