In Mittenwald, dem historischen Grenz- und Zollort zwischen dem Herzogtum Bayern und den Habsburger Erblanden, gab es trotz seiner wirtschaftlichen Bedeutung zu keiner Zeit eine jüdische (Kultus-)Gemeinde. Jedoch richteten nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 die US-Militärverwaltung und die UNRRA von April 1946 bis Ende Januar 1952 ein Lager für Displaced Persons aus Ukraine, Polen, Weißrussland und Russland ein. Während die meisten in der Gebirgsjägerkaserne und der heutigen Luttensee-Kaserne untergebracht wurden, beschlagnahmte die US-Armee für die jüdischen DPs einige Hotels im Stadtgebiet.
Das Kultur- und Gemeindezentrum der jüdischen DPs lag im großen Gasthaus Traube (Hochstraße 11) direkt im Ortszentrum. Dort befand sich auch eine koschere Küche. Die DP-Gemeinde erreichte bereits im November 1945 mit 200 Personen ihren Höhepunkt, danach pendelte die Mitgliederzahl bis Januar 1948 bei rund 130 Personen. Sie verwalteten sich unter dem gewählten Vorsitz von Moszek Grynbacz und Jakob Gutman größtenteils selbst. Mit der nahe gelegenen DP-Gemeinde in Garmisch-Partenkirchen bestanden enge Verbindungen: Im jüdischen Fußballverein "Hapoel Garmisch-Mittenwald" spielten DPs aus beiden Orten zusammen, wahrscheinlich besuchten die Mittenwalder DPs auch den Betsaal in Garmisch und gingen dort in die Berufsschule, um sich auf ein neues Leben in Israel oder Übersee vorzubereiten. Nach der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 nahm wie überall sonst auch die Mitgliederzahl der DP-Gemeinde ab: Im Februar 1951 lebten noch 119 Jüdinnen und Juden im Ort, doch im Laufe des Jahres konnte das Lager schließen. Das Gasthaus Traube existiert zwar nicht mehr, aber das eindrucksvolle Gebäude mit seiner bunten Lüftlmalerei steht noch.
(Patrick Charell)
Adresse / Wegbeschreibung
Hochstraße 11, 82481 Mittenwald
