In Laufen gab es – nach derzeitigem Kenntnisstand – zu keiner Zeit ein jüdisches Gemeindeleben. Von 1861 bis Mitte der 1930er Jahre lebten nur vereinzelt jüdische Personen im Ort. Im Jahr 1946 richteten die US-Militärverwaltung und die UNRRA eine Auffangstation für jüdische Displaced Persons (DPs) aus den befreiten Lagern in Osteuropa ein, die bis 1951 bestand hatte. Dafür wurde Wohnraum von zumeist politisch belasteten Privatpersonen beschlagnahmt. Das Gemeindezentrum mit Versammlungsräumen befand sich im Ladengeschäft "G. Hermann" in der Hindenburgstraße (heute Schloßstraße 4). In einem der von DPs bewohnten Häuser auch ein Betraum eingerichtet (Schloßstraße 5).
Die jüdische DP-Gemeinde Laufen verwaltete sich unter dem gewählten Vorsitz von Heinrich Frejer und Henryk Tobias größtenteils selbst. Abgesehen vom Betsaal im Gemeindehaus sind keine weiteren Einrichtungen bekannt. Im Mai 1946 lebten 50 Jüdinnen und Juden in Laufen. Die Gemeinde wuchs binnen Jahresfrist auf 112 Personen, schrumpfte dann wieder etwas und erreichte schließlich im Mai 1948 mit 115 Personen ihren Höchststand. Nach der Gründung des Staates Israels am 14. Mai 1948 begannen die DPs vermehrt abzuwandern, sowohl nach "Erez Israel", aber auch nach Amerika und andere Orte. Im Februar 1951 zählte die DP-Gemeinde Laufen zusammen mit Waging nur noch 48 Mitglieder und wurde kurze zeit später aufgelöst. Ihr Zentrum in der Schloßstraße wurde an die Besitzer zurückgegeben und ist bis heute ein Wohn- und Geschäftshaus. Heute erinnert in Laufen nichts mehr an die kurzzeitige Existenz der kleinen Nachkriegsgemeinde.
(Patrick Charell)
Bevölkerung 1910
Literatur
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 319.
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 22.
