Jüdisches Leben
in Bayern

Järkendorf Gemeinde

In Järkendorf, heute ein Ortsteil von Prichsenstadt, lebten im 18. Jahrhundert einige jüdische Familien. 1720 sind zwei Haushalte nachgewiesen, 1740 gab es sechs Haushalte. Die Matrikelliste von 1817 weist acht Stellen nach: Joseph Samuel Reinhard (Vieh- und Warenhandel), Hirsch Salomon Löbhard (verschiedener Handel), Samuel Salomon Schild (Vieh- und Warenhandel), Feist Hennoch Hennochstein (Pottaschensieder), Hajum Wolf Wolfsthaler (Schmuserei), Loeb Machul Hartenstein (Schmuserei), Hirsch Mayer Wesser (Porcelainhandel) und ab 1825 Moses Schild. Zu dieser Zeit zählte die jüdische Gemeinde 21 Mitglieder bei einer Gesamteinwohnerzahl von 161 Personen.

Die Matrikelliste von 1817 weist acht Stellen nach. Folgende Familienvorstände mit ihren Erwerbstätigkeiten wurden genannt: Joseph Samuel Reinhard (Vieh- und Warenhandel), Hirsch Salomon Löbhard (verschiedener Handel), Samuel Salomon Schild (Vieh- und Warenhandel), Feist Hennoch Hennochstein (Pottaschensieder), Hajum Wolf Wolfsthaler (Schmuserei), Loeb Machul Hartenstein (Schmuserei), Hirsch Mayer Wesser (Porcelainhandel) und ab 1825 Moses Schild. Zu dieser Zeit zählte die jüdische Gemeinde 21 Mitglieder bei einer Gesamteinwohnerzahl von 161 Personen. Im Jahr 1818 bewohnten vier jüdische Familien - Hennochstein, Schild, Hartenstein, Wolfthaler - die Hausnummer 20 in Järkendorf, das sogenannte "Judenhaus". 1827 lebten vier Familien im Haus Nr. 13, weitere drei Familien in eigenen Häusern. Die Gemeindezahl betrug 1830 32 Personen bei einer Ortsgröße von 185 Personen. Darunter zählte auch Simon Hennochstein, wohl ein Verwandter des Matrikelstelleninhabers Feist Hennoch Hennochstein. Simon Hennochstein leistete seinen Wehrdienst in der bayerischen Armee im 6. Infanterieregiment ab. Diese Einheit kam 1849 beim Krieg gegen Dänemark zu Einsatz und im Kampf um die Düppeler Schanzen erhielt der Jäger Hennochstein eine besondere Belobigung. 1852 gab es noch sechs jüdische Hausbesitzer: Der Schnittwarenhändler Hirsch Löbhard, der Schneidermeister Samuel May, der Viehhändler Osias Hennochstein, der Seilermeister Bärmann Löbhardt, der Bauer Moses Reinhardt und der Metzgermeister Pfeifer Niedermann.

Samuel May war als Schneider auch auf den Märkten in Volkach tätig, Im März 1852 wurde ihm dort von einer unbekannten Frau ein Päckchen mit verschiedenen Textilien gestohlen. Eine polizeiliche Anzeige sollte den Diebstahl klären.

Der 67jährige Joseph Reinhard, der seit 1851 in Würzburg wohnte, wurde laut eines Zeitungsberichts als "israelitischer Handelsmann" 1852 vor dem Kreisgericht in Würzburg der gewerbsmäßigen Güterzerschlagung beschuldigt. Er habe seit 1834 mehrere Güter aufgekauft und in kleineren Parzellen weiterverkauft. Reinhard, dessen Vermögen mit 16000 Gulden angegeben wurde, verteidigte sich mit dem Hinweis, dass hier ein Gesetz unzulässig rückwirkend angewandt werde. Er wurde trotzdem zu einer 14tägigen Haftstrafe und 200 Gulden Geldstrafe verurteilt. Der 1788 geborene Hirsch Löbhard hatte noch 1861 eine Lizenz als Hausierer für Schnittwaren für den Gerichtsbezirk Volkach erhalten. Diese Lizenz war auch für seine Tochter Hanna gültig.

1875 gab es mit der Witwe von Hirsch Löbhardt, der Witwe des Metzgers Niedermann und dem Spezereihändler Seligmann May und dem Viehhändler Osai Hennochstein nur noch vier Hauseigentümer. In selben Jahr zählte die jüdische Gemeinde nur noch siebzehn Mitglieder. Die Gemeinde war aber wahrscheinlich nie groß genug, um einen eigenen Lehrer besolden zu können. Der 1855 tätige Lehrer Abraham Jüng wurde gemeinsam mit den jüdischen Familien in Rimbach und Lülsfeld angestellt.

Im Statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes von 1888 wird der Ort, fälschlicherweise Jackendorf geschrieben, zum letzten Mal aufgeführt. Die Auflösung der jüdischen Gemeinde dürfte zu dieser Zeit erfolgt sein.

Bevölkerung 1875

Literatur

  • Dirk Rosenstock (Bearb.): Die Unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Würzburg 2008 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 19), S. 237.
  • Werner Steinhauser: Juden in und um Prichsenstadt (Prichsenstadt, Altenschönbach, Brünnau, Kirchschönbach, Järkendorf). Prichsenstadt 2002.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 78f.
  • K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 190.