Jüdisches Leben
in Bayern

Hollfeld Gemeinde

Eine jüdische Gemeinde dürfte während des 13. Jahrhunderts in Hollfeld entstanden sein, denn der Ort wurde im Jahr 1298 von der Rintfleisch-Verfolgung erfasst. Vielleicht war es die dritte Welle des Pogroms in der zweiten Julihälfte, die gemäß dem Nürnberger Memorbuch mehr als zwanzig Menschen aus drei Familien zum Opfer fielen. Ein Vater soll dabei seine Kinder "im Bade" und dann sich selbst getötet haben. Die damalige Gemeinde besaß nachweislich eine Mikwe.

Von 1348 an lebten nochmals Juden in Hollfeld, die einen Minjan bilden konnten. 1403 wird eine jüdische Frau "von Hollfeld" in Bamberg genannt.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts wird erstmal eine Judengasse (1417), ein "Judengraben" (1417) und bei den "Juden creuzen" (1483) genannt. In der Judengasse soll gemäß der lokalen Überlieferung eine Synagoge bzw. ein jüdisches Haus mit Betstube gestanden haben, zu der jedoch alle weiteren Informationen fehlen.

Die Quellen verweisen auf wirtschaftliche Beziehungen der Hollfelder Juden nach Bamberg. 1434 zahlten die Hollfelder Juden 4 und einen halben Gulden Krönungssteuer. Die Summe wurde anlässlich der Krönung von Kaiser Sigismund (reg. 1433-1437) fällig. Mit der Vertreibung sämtlicher Juden aus dem Hochstift Bamberg 1478 dürfte auch das Ende der jüdischen Gemeinde in Hollfeld gekommen sein, die seitdem nicht mehr in den Quellen erscheint.

Im 19. und 20. Jahrhundert lebten zwar jüdische Familien in Hollfeld. Es kam aber nicht zur Bildung einer jüdischen Gemeinde.

Von den in Hollfeld geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Fanny Lang geb. Laufer (geb. 1884 in Hollfeld, später wohnhaft in Rüsselsheim und Darmstadt), Isidor Strauß geb. 1879 in Hollfeld, lebte später in Bayreuth), Karl Strauß (geb. 1873 in Hollfeld, lebte später in Amberg und Kulmbach), Marie (Mary, Maria) Strauss geb. Dessauer (geb. 1885 in Hollfeld, lebte später in Köln).  

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 225.
  • Germania Judaica. Band III-1: 1350-1519, Tübingen 1987, S. 571f.
  • Germania Judaica. Band II-1: Von 1238 bis zur Mitte des 14. Jahrhunderts, Tübingen 1968, S. 367-368.
  • Siegmund Salfeld: Das Martyrologium des Nürnberger Memorbuches. Berlin 1898 (= Quellen zur Geschichte der Juden in Deutschland 3), S. 51, 67, 79, 80, 205, 234, 271 u. 274.