Jüdisches Leben
in Bayern

Hausen/Kleinwallstadt Gemeinde

Bis 1803 war (Ober- und Unter-)Hausen Teil des Erzstiftes Mainz und bestand aus den Ortsteilen Oberhausen und Unterhausen. Das kleinere Unterhausen war dabei in der Herrschaft der adeligen Familie von Ingelheim. Eine Beschwerdeschrift von 1775 gibt an, dass in Unterhausen "acht Nachbarn, einige Juden und Beisassen" in zehn bis zwölf Häusern wohnten. Die wenigen jüdischen Familien waren immer wieder der Willkür ihrer Nachbarn ausgesetzt. 1784 "wurde angezeicht daß die Juden so viele Hühner halten thäten, welches doch den Gemeindsleuthen sehr schädlich seye", woraufhin die Anweisung erging, dass die Hühner innerhalb von acht Tagen abzuschaffen sein, widrigenfalls für jedes Huhn 30 Kreuzer Strafe zu zahlen sei. 1789 wurde der Verkauf von Tannenreisig an "Jud Joseph" angezeigt. Trotz des Einwandes von Joseph, dass "es in der grosen Kälte geschehen, so wolte er gebeten haben dieses zu übersehen", wurde er zur Zahlung von 30 Kreuzern Strafe verurteilt.

Der Flurname "Judenfriedhof" südöstlich von Hausen könnte auf einen älteren Begräbnisplatz hindeuten. Nach der Eingliederung in das Königreich Bayern 1814 erfolgte dann 1817 die Aufstellung der Matrikellisten. Allerdings ist nur überliefert, dass es sich um sechs Familien gehandelt habe, ohne dass die Namen der Matrikelinhaber bekannt sind. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts lebten nur noch wenige jüdische Familien in Hausen, so dass die Existenz einer Gemeinde nach 1850 fraglich ist. Im Statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebunds von 1887 ist Hausen noch als Gemeinde aufgeführt, allerdings ohne weitere Angaben. Im Jahrbuch von 1892 fehlt der Name bereits. 

Bevölkerung 1875

Literatur

  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 70.
  • K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 209.

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