Jüdisches Leben
in Bayern

Großwallstadt Gemeinde

In Großwallstadt bestand eine jüdische Gemeinde seit dem 18. Jahrhundert. Die Matrikellisten von 1817 weisen sechs Stellen nach. Die Aufzeichnungen weisen die folgenden Namen und die ausgeübte Tätigkeit nach: Sekel Getschel Dornheimer (Viehhandel), Mendle Abraham Trier (Viehhandel), Joseph Moises Feld (Warenhandel), Isaak Hirsch Grünebaum (Ellenwaren, Viehhandel), Moises Samuel Stern (Viehhandel), Benjamin Abraham Trier. Dazu werden noch drei Witwen genannt. Dies ergab eine Gesamtzahl von 27 Gemeindemitglieder. Großwallstadt selbst hatte um 1819 etwa 700 Einwohner "mit ergiebigem Feldbau, Waldungen, Schifferei und Holzhandel". Der Schulunterricht erfolgte im benachbarten Kleinwallstadt. In einer Sammelliste von 1871 zugunsten der "Notleidenden im Heiligen Land" werden noch Abraham Grünebaum und Lippmann und Samuel Stern aus Großwallstadt genannt. Die Auflösung der Gemeinde erfolgte nach Israel Schwierz ca. 1874. Großwallstadt wird noch 1887 im Statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes aufgeführt, allerdings nur noch mit dem Namen, ohne weitere Angaben. In der Ausgabe von 1892 ist Großwallstadt schon Teil der Gemeinde Kleinwallstadt, gehörte damit zum Distriktsrabbinat Aschaffenburg und begrub auf dem dortigen Friedhof auch die Verstorbenen. 1910 lebten im Ort keine jüdischen Mitbürger mehr.

Bevölkerung 1875

Literatur

  • Dirk Rosenstock (Bearb.): Die Unterfränkischen Judenmatrikeln von 1817. Eine namenkundliche und sozialgeschichtliche Quelle. Würzburg 2008 (= Veröffentlichungen des Stadtarchivs Würzburg 19), S. 221.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 68.
  • K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S. 208.