Jüdisches Leben
in Bayern

Füssen Gemeinde

In der historisch bedeutenden Grenzstadt Füssen gab es nach aktuellem Wissensstand zu keiner Zeit eine jüdische Gemeinde oder nennenswertes jüdisches Leben, was wohl auch daran Lag, dass sie als Sitz eines Pflegamtes dem Hochstift Augsburg gehörte. Mit dem Recht auf Freizügigkeit zogen ab 1861 nur wenige Einzelpersonen nach Füssen. Während der Novemberpogrome 1938 lebten nur zwei jüdische Personen in der Stadt: Der zum Katholizismus konvertierte und mit einer Christin verheiratete Münchner Rechtsanwalt Dr. Hermann Raff, der von seinem Sohn buchstäblich wenige Minuten vor dem Eintreffen einiger SA-Schergen gerettet wurde, sowie Kapitänleutnant Dr. Walther Dehn, Träger des Eisernen Kreuzes, der als Halbjude zwar vor der Verhaftung sicher war, aber aus Protest gegen den Gelben Stern bis 1945 sein Haus nicht mehr verließ. Nach dem zweiten Weltkrieg richteten die US-Armee und die UNRRA eine kurzlebige Sammelunterkunft für (jüdische?) DPs ein, über die jedoch kaum etwas bekannt ist. Zur Unterbringung wurden in der Stadt das "Hotel Sonne" (Prinzregentenplatz 1) und die "Neue Post" beschlagnahmt. Eine Außenstelle entstand laut den US-Dokumenten in den "Burnette Barracks". Dieses DP-Lager wurde bereits im Juni 1947 wieder aufgelöst und die Bewohner nach Rosenheim und Schleißheim bei München verlegt.

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 252.