Eine jüdische Gemeinde bestand in Dietenhofen spätestens seit dem 18. Jahrhundert. Zwischen 1728 und 1771 lebten bereits 11 bis 14 jüdische Familien im Ort. Es ist deshalb durchaus möglich, dass zu diesem Zeitpunkt bereits eine Synagoge und eine Schule existierte.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts dürfte die jüdische Gemeinde mit etwa 50 Mitgliedern einen Höchststand erreicht haben. Dafür sprechen auch die Umbau- bzw. Neubaupläne einer Synagoge. Die jüdische Gemeinde betrug zu dieser Zeit ungefähr zehn Prozent der Gesamteinwohnerzahl des Orts. Die Familien dürften mehrheitlich in der "Judengasse" (heute Georg-Flory-Straße) gewohnt haben.
Die Gemeinde unterhielt auch eine eigene Schule und beschäftigte einen Lehrer, der, wie in vielen Gemeinden üblich, auch das Amt des Vorsängers ausübte. Die Vorgänge um den Lehrer und Vorsänger Jondorf 1847 werfen schlaglichtartig ein Blick auf den Umgang der bayerischen Behörden mit ihren jüdischen Untertanen. Aufgrund des Matrikelparagraphen waren die Plätze für jüdische Familien auch in Dietendorf genau reglementiert Lehrer Jondorf bemühte sich nun 1847/1847 bei den örtlichen Behörden eine Ausnahmegenehmigung für einen zusätzlichen Matrikelplatz und damit das Wohnrecht in Dietendorf zu erreichen. Nachdem ihm dies verweigert wurde, richtete er ein Gesuch an König Ludwig I. Diese Vorgänge wurden in mehreren Artikeln in der Zeitschrift "Der Orient" besprochen. Der Verfasser des Artikels kam zu dem eindeutigen Schluss: "Wenn es solcher Schritte bedarf, um sich einen eigenen Herd zu gründen, so kann es nicht Wunder nehmen, dass bereits in Mittelfranken ein Mangel an israelitischen Lehrern eintritt, der sich bald recht fühlbar herausstellen wird." Tatsächlich fruchtete auch die Bittschrift an den König nicht. Das Gesuch wurde abgelehnt.
Dieses starre behördliche Festhalten an der Matrikelzahl sollte eine Erhöhung der Familienzahlen vor Ort verhindern. Gleichzeitig war unter diesen Bedingungen die Auswanderung vor allem nach Amerika eine Möglichkeit zur Verbesserung der Lebensverhältnisse. Ein Beispiel ist der 1803 in Dietenhofen geborene David Rosenwald, der 1877 in New York verstarb.
In Dietenhofen nahm im Verlauf des 19. Jahrhundert die Zahl der Gemeindemitglieder rapide ab, so dass 1898 nur noch 12 Mitglieder im Ort lebten. Die Auflösung der Gemeinde erfolgte in den Jahren danach, 1910 lebte kein Jude mehr im Ort.
Von den in Dietenhofen geborenen und/oder längere Zeit am Ort wohnhaften jüdischen Personen sind in der NS-Zeit umgekommen: Josef Frank (1880), Lina Frank (1892), Ida Rawicz geb. Frank (1883).
(Patrick Charell)
Bevölkerung 1875
Literatur
- Freilandmuseum Franken Bad Windsheim / Herbert May (Hg.): Lang gegrindet - Jüdisches Leben in Franken. Bad Windsheim 2022, S. 42.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 157.
- K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36). S. 172.
