Jüdisches Leben
in Bayern

Creußen Gemeinde

Erst nach dem Zweiten Weltkrieg entstand mit einer DP-Gemeinde zeitweise jüdisches Leben in der geschichtsträchtigen Stadt Creußen. Obwohl sich bereits ab dem Frühjahr 1947 jüdische DPs im Stadtgebiet niederließen, etablierte sich erst im Mai als letzte im Landkreis Pegnitz ein Komitee zur Selbstverwaltung. Im Frühling 1947 lebten 62 Jüdinnen und Juden in Creussen, darunter auch Familien mit kleinen Kindern. Mindestens zwei Jungen sind in der Stadt geboren (Felix Luel 1946, Max Klein 1947). Schon bei der Ankunft am Creussener Bahnhof müssen Reisenden die zahlreichen Wegweiser mit jiddischen Hinweisen aufgefallen sein, die zu den verschiedenen außerhalb gelegenen Trainings-Kibbuzim führten. In der Stadt selbst befand sich eine Ambulanz, die von der UNRRA sowie dem Joint versorgt wurde und neben Creußen auch die DP-Gemeinden in Pottenstein und Pegnitz versorgte.

Anfangs residierte die Verwaltung der DP-Gemeinde Creußen im Anwesen Bahnhofstraße 26, später zog sie in die Habergasse 26 um. Zum ersten Präsidenten der etwa 30-köpfgen Gemeinde wurde Josef Gothart gewählt, der mehrere Konzentrationslager überlebt hatte und wie die Mehrheit der jüdischen DPs aus Polen stammte. Die US-amerikanische Hilfsgesellschaft American Jewish Joint Distribution Committee (Joint) unterhielt in Creußen ein eigenes Büro, dem die Verteilung der Lebensmittel und sonstiger Hilfsgüter für die DP-Gemeinden im Landkreis Pegnitz oblag. Wenngleich die Mehrzahl der DPs säkular-zionistisch eingestellt war, lebten auch fromme und orthodoxe Juden in der Region, für die beim Komitee Creussen ein "Amt für religiöse Belange" eingerichtet wurde. Unbekannt ist, wo die Gottesdienste in der Stadtgemeinde gefeiert wurden, jedenfalls besaß sie einige Torarollen, welche die Regionalverwaltung in Bamberg zur Verfügung gestellt hatte.

Am 8. Mai 1947, dem zweiten Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus, organisierten die jüdischen DPs von Creußen, Pegnitz, Pottenstein, Losau, Prebitz und Voita unter der Fahne mit dem Magen David eine Großkundgebung, die mit einer Feierstunde und einem zionistischen Aufruf im Gasthof Untere Post endete.

Diese politische Demonstration kann auch als Antwort auf die teilweise feindliche Haltung der einheimischen Bevölkerung den Juden gegenüber gesehen werden. Die überregionale jiddische DP-Zeitung "Undzer Wort" berichtete über die antisemitische Stimmung der Stadt, der andererseits positive Einzelbeispiele im menschlichen Miteinander gegenüberstehen. Obwohl der ehemalige zweite Bürgermeister und NS-Baurat Heinrich Thiem die jüdische Familie Klein in seinem Privathaus aufnehmen musste, entwickelte sich ein freundliches Verhältnis, es wurde sogar eine jüdische Hochzeit bei den Thiems gefeiert. Selbst eine christlich-jüdische Hochzeit kam in jener Zeit zustande.

Die jüdische DP-Gemeinde bestand vermutlich bis Ende 1949. Mit der Gründung des Staates Israel im Mai 1948 wanderten viele DPs aus, andere emigrierten in die USA oder nach Kanada, andere, wie Josef Gothart, der spätere langjährige Vorsitzende der IKG Bayreuth blieben auch in Deutschland. Heute hat sein Sohn Felix Gothard den Vorsitz inne.

Literatur

  • Jim G. Tobias: Vorübergehende Heimat im Land der Täter. Jüdische DP-Camps in Franken 1945-1949. Nürnberg 2002, S. 161-163.