Jüdisches Leben
in Bayern

Burgebrach Gemeinde

Über die Anfänge jüdischen Lebens in Burgebrach gibt es nur bruchstückhafte und kaum zu überprüfende Hinweise. Jede Aussage muss daher im Konjunktiv stehen: So sollen Juden in der Mitte des 15. Jahrhunderts erstmals in Burgebrach gelebt haben, 1548 soll ein Jude in Burgebrach erschlagen worden sein, um 1700 soll es zu einem Pogrom durch umherziehende Halbwüchsige gekommen sein. Erst im 18. Jahrhundert wird die Überlieferung sicherer, da 1720 bereits vier Familienoberhäupter eine Sondersteuer für den Bau des Burgebracher Rathauses zu entrichten hatten. 1743 konnte die jüdische Gemeinde eine Übereinkunft mit dem Pfarrer von Burgebrach erreichen. Die bisher einzeln gezahlten Gebühren wurden durch ein jährliches Neujahrsgeld abgelöst. In der zweiten Jahrhunderthälfte pendelte die Zahl der jüdischen Bewohner bei knapp unter 40.

Die Bestimmung im Judenedikt von 1813, dass der Sitz eines Rabbiner am Ort einer Polizeibehörde angesiedelt sein müsse, brachte für Burgebrach einen unerwarteten Vorteil. Im Dezember wurde der Ort schließlich der Sitz des Distriktsrabbiners für die Bezirksämter Bamberg II und Burgebrach. Damit waren bis 1906 elf Gemeinden, darunter größere wie Bischberg und Aschbach, und 200 Matrikelstellen dem Rabbiner von Burgebrach zugewiesen. Burgebrach selbst hatte in der Matrikelaufstellung der 1820er Jahre elf besetzte Stellen. Gravierende Konflikte der Landgemeinden gab es mit dem ersten Rabbiner, Bär Levi Kunreuther aus Baiersdorf. Seine liberaleren Ansichten führten 1833 zu seiner Abwahl, als sich 173 der 200 Familienvorstände gegen sein Verbleiben im Amt ausgesprochen hatten. Trotzdem konnte der Rabbiner hier Fuß fassen. Er baute sich 1837 ein eigenes Haus, da keine Rabbinerwohnung zur Verfügung stand. Nach 32 konfliktreichen Dienstjahren wanderte er 1859 nach Amerika aus. Der Versuch, den Wohnsitz nach Bamberg verlegen zu dürfen, ist aber auch bei allen Nachfolgern zu konstatieren. Burgebrach blieb im gesamten 19. Jahrhundert eine zahlenmäßig eher kleine Gemeinde, die 1852 mit 98 Jüdinnen und Juden, etwa 10 Prozent der Gemeindebevölkerung, einen Höchststand erreichte. Die meisten jüdischen Einwohner arbeiteten als Vieh- und Schnittwarenhändler oder in anderen Handelssparten.

Die jüdische Gemeinde hatte keinen eigenen Friedhof, sondern bestattete ihre Toten in Walsdorf. Neben einer Synagoge gab es in Burgebrach 1828 auch eine jüdische (Elementar-)Schule, die im Grundsteuerkataster von 1848 als "Kinderschule" bezeichnet wurde. Der Schulraum im ersten Stock, in dem sich auch die Lehrerwohnung befand, war aber offenbar den Ansprüchen nicht angemessen, wie die vielen Klagen über den schlechten baulichen Zustand zeigten. 1855 verlangte die staatliche Schulaufsichtsbehörde entweder einen Neubau, oder die Anmietung von besser geeigneten Räumen. Wahrscheinlich aus Kostengründen verlegte die Gemeinde in die Folge die Schule in das Synagogengebäude. Der neue Raum wurde als "hell und gesund" beschrieben", ausreichend für die höchstens 20 Schüler. In einem Privathaus gab es im 19. Jahrhunderteine Mikwe. Der bereits erwähnte Distriktsrabbiner Kunreuther erbaute in seinem Wohnhaus in den 1830er-Jahren eine modernere neue Mikwe, die von der Gemeinde genutzt wurde. Bereits vor 1913 blieb es jedoch außer Betrieb, die Gemeinde verkaufte das ganze Anwesen im Jahr 1926. An der Stelle wurde später eine Garage errichtet.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts waren die Zahlen der jüdischen Gemeinde durch die allgemeine Aus- und Abwanderungswelle stark rückläufig. Die verbliebenen Juden schlossen sich 1907 mit der Gemeinde Reichmannsdorf zusammen. Mit der offiziellen Auflösung der Kultusgemeinde fiel 1927 auch der Verkauf des Synagogengebäudes und der Mikwe zusammen.


(Patrick Charell)

Bilder

Bevölkerung 1910

Literatur

  • Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken. Nürnberg 2017. Ggfs. digital (Reihe A: Digitalisierte Quellen, 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien 4).
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 211.
  • Klaus Guth: Jüdische Landgemeinden in Oberfranken (1800–1942), ein historisch-topographisches Handbuch. Bamberg 1988 (= Landjudentum in Oberfranken. Geschichte und Volkskultur 1), S. 115-127.
  • K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 141.