Jüdisches Leben
in Bayern

Burgbernheim Gemeinde

Möglicherweise bestand in Burgbernheim bereits im Mittelalter eine jüdische Gemeinde, die erst nach ihrer Vernichtung im 14. Jahrhundert urkundlich wird: Nach den Pestpogromen schenkte Kaiser Karl IV. (reg. 1347-1378) der Stadt die Häuser der vertriebenen und getöteten Juden, darunter auch eine Synagoge. An die mittelalterliche Ansiedlung erinnert vermutlich das bis heute bestehende "Judengässchen" unweit des Marktplatzes zwischen Rathausgasse und Uhrmachergasse.

Ein Artikel aus der "Allgemeinen Zeitung des Judentums" vom 3. Dezember 1842 fasste das damals Bekannte zusammen: "Die Gemeinde zu Burgbernheim ist im Besitz eines Privilegiums, welches ihr der Hohenstaufe Heinrich VI. erteilt hat, nach welchem kein Jude dort aufgenommen werden sollte. Dieses Privilegium ist erteilt 1109, und von Georg Wilhelm, Markgraf zu Brandenburg 1715 erneuert. Diese Bestätigung war die Folge einer Beschwerde der Bürgerschaft. Gegenwärtig befinden sich drei Judenfamilien in Burgbernheim, davon jede den beiden Geistlichen 30 Kreuzer zu entrichten hat. Über das Alter dieser Abgabe, sowie über die Entstehung der Judengemeinde sind weder Sagen, noch Dokumente vorhanden. Man vermutet, dass die Familienzahl in früherer Zeit größer gewesen sein müsse, weil noch jetzt in mehreren Christenhäusern Spuren von Kellerbädern in der Art, wie sie früher für Juden gebaut wurden, zu finden seien. Die schriftlichen Dokumente gingen bei der Plünderung und dem Brande vom Jahre 1631 durch die Tillyschen Truppen zugrunde". Die widersprüchliche Notiz über das Heinrichsprivileg wurde schon von der Germania Judaica angezweifelt.

Auch im 18./19. Jahrhundert bestand eine kleine jüdische Gemeinde. 1709 bis 1771 waren jeweils drei bis fünf Familien am Ort. Im Anwesen 151 bestand ab 1802 ein Betsaal. 1834 unterrichtete der Religionslehrer Samson Kohn aus Ermetzhofen mit behördlicher Genehmigung auch die Kinder der jüdischen Familien aus Burgbernheim unterrichtete Es handelte sich um die Familie Hirsch Isaak Boehm (schulpflichtiges Kind: Moses Löb Hirsch) und die Familie Joseph Gabriel Hirsch.

In der Liste der Baudenkmäler von Burgbernheim ist für das Anwesen Obere Marktstraße 1, ein Walmdachhaus mit Fachwerkobergeschoss aus dem 18. Jahrhundert, im Keller eine Mikwe dokumentiert.

Noch 1838 muss eine wenn auch kleine jüdische Gemeinde bestanden haben, die zu dieser Zeit dem Distriktsrabbinat in Welbhausen angehörte. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Ermetzhofen beigesetzt. Laut dem o.a. Zeitungsbericht lebten aber 1842 nur noch drei Familien in Burgbernheim. Einer der letzten jüdischen Einwohner dürfte der 1889 verstorbene Seligmann Böhm gewesen sein. Auf dem Denkmal für die gefallenen Soldaten des Ersten Weltkriegs ist der Name Lehrberger ausgeführt, der am 14. November 1914 gefallen war.

Bilder

Bevölkerung 1840

Literatur

  • Freilandmuseum Franken Bad Windsheim / Herbert May (Hg.): Lang gegrindet - Jüdisches Leben in Franken. Bad Windsheim 2022, S. 8.
  • Aubrey Pomerance: Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Franken, in: Michael Brenner / Daniela F. Eisenstein (Hg.): Die Juden in Franken. München 2012, S. 95-113.
  • Ernst Karl Stimpfig: Juden in West-Mittelfranken. Eine Dokumentation. Lauf 2003.
  • Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 155.
  • Germania Judaica. Band I: Von den ältesten Zeiten bis 1238, Berlin 1917 u. 1934, Nachdr. Tübingen 1963, S. 66 f.
  • Adolf Eckstein: Geschichte der Juden im Markgrafentum Bayreuth. Bayreuth 1907.
  • Max Siebert: Das Königreich Bayern topographisch-statistisch in lexicographischer und tabellarischer Form dargestellt. München 1840, S. 323.