In Bütthard wird 1588 erstmals ein Jude namens Salomon Mannheimer erwähnt. 1642 sind vier jüdische Haushalte nachgewiesen; zwanzig Jahre später sechs Familien mit 33 Personen, darunter auch ein „Schulmeister“. Die Bürgerschaft beklagte sich damals beim Würzburger Bischof über den Anstieg der jüdischen Mitbürger in ihrem Ort. Ihrer Klage hat man anscheinend stattgegeben, denn 1675 sind nur mehr drei jüdische Haushalte im Markt verzeichnet. Die Israeliten verdienten sich damals mit Pferde-, Vieh- und Stoffhandel den Lebensunterhalt. 1746 waren wieder sechs jüdische Familien in Bütthard ansässig.
1811 war die Büttharder Judenschaft auf elf Haushalte angewachsen. Um der gestiegenen Mitgliederzahl Rechnung zu tragen, entstand im Folgejahr ein neues Gemeindezentrum mit Synagoge, Schulzimmer und Lehrerwohnung in repräsentativer Lage am Marktplatz (heute: Marktplatz 3). Da sich die Kultusgemeinde keinen staatlich geprüften Religionslehrer leisten konnte, genehmigte die Regierung die Anstellung eines Schulamtsanwärters. Es meldete sich jedoch niemand auf die Ausschreibung. So erlaubte die Regierung 1831, dass der Allersheimer Ortsrabbiner und Religionslehrer Samuel Weisbart zweimal pro Woche den Religionsunterricht in Bütthard erteilt. Die Toten der Gemeinde wurden auf dem jüdischen Friedhof in Allersheim beigesetzt. Die Gemeinde gehörte zum Rabbinatsbezirk Kitzingen.
1855 erhielt die Gemeinde mit Jonas Löwenthal erstmals für drei Jahre einen eigenen provisorischen Lehrer und Vorsänger. Danach blieb die Stelle wieder unbesetzt und die Regierung drohte deshalb mit der Schließung der Synagoge. Nun verhandelten die Kultusgemeinden Bütthard und Allersheim ab 1861 über die Bildung eines gemeinsamen Schulsprengels. Dazu kam es jedoch nicht. In der Folgezeit unterrichtete wieder der Allersheimer Religionslehrer aushilfsweise in Bütthard.
Das Ritualbad der Kultusgemeinde befand sich auf dem Grundstück des Herz Hamburger (heute: Feuerweg 5). 1890 wollte die Judenschaft eine neue Mikwe errichten und kaufte zu diesem Zweck das Grundstück mit der Hausnummer 103 (heute: Feuerweg 3). Da die übrigen Bürger von Bütthard große Vorbehalte gegen das neue Ritualbad hatten und eigentlich ein Bauverbot erreichen wollten, erlaubte das Bezirksamt das Bauvorhaben erst, nachdem ein Gutachten vorlag, das Verunreinigungen durch das Ritualbad ausschloss, und etliche weitere Bedingungen erfüllt waren. Die Kultusgemeinde Bütthard umfasste 1899 noch 28 Mitglieder. 1901 erfolgte die Eingliederung der Mitglieder aus der Kultusgemeinde Allersheim.
1933 zählte die jüdische Bevölkerung des Dorfes nur noch zehn Personen. Als die Kultusgemeinde wurde 1937 nur noch fünf Mitglieder umfasste, wurde sie aufgelöst und das jüdische Gemeindehaus verkauft. 1938 lebten nur noch der ehemalige Vorstand der Kultusgemeinde, Simon Hamburger, mit seiner Frau, sowie das Ehepaar Frank im Dorf. Sie wurden Opfer des Novemberpogroms, als ein Mob von Nationalsozialisten die ganze Region um Ochsenfurt heimsuchte, in die jüdischen Wohnungen einbrach, alles kurz und klein schlug, die Wertgegenstände stahl, die Israeliten misshandelte und abführte. Das Ehepaar Hamburger emigrierte 1939 in die USA; das Ehepaar Frank überlebte die Haft im Ghetto Theresienstadt.
Die Strafprozesse am Landgericht Würzburg über die Zerstörungen in Bütthard und Allersheim während des Novemberpogroms 1938 endeten mit dem Freispruch von drei Angeklagten und der Verurteilung von acht Angeklagten wegen schweren Landfriedens- und Hausfriedensbruchs zu Haftstrafen zwischen drei Monaten und einem Jahr. Der vorübergehend nach Bütthard zurückgekehrte Max Frank bescheinigte dem ehemaligen Bürgermeister und NSDAP-Ortsgruppenleiter Seger, dass dieser ihn in seinen Notlagen maßgeblich unterstützt und durch Lebensmittelpakete nach Theresienstadt wesentlich zu seinem Überleben beigetragen hatte. Im Rathaus wurde eine Gedenktafel angebracht, die an die ehemalige jüdische Gemeinde und ihre Synagoge erinnert.
(Christine Riedl-Valder)
Bilder
Bevölkerung 1910
Literatur
- Axel Töllner / Hans-Christof Haas: Bütthard mit Allersheim. In: Wolfgang Kraus, Gury Schneider-Ludorff, Hans-Christoph Dittscheid, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. III/1: Unterfranken, Teilband 1. Erarbeitet von Axel Töllner, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Hans Schlumberger unter Mitarbeit von Gerhard Gronauer, Jonas Leipziger und Liesa Weber, mit einem Beitrag von Roland Flade. Lindenberg im Allgäu 2015, S. 585-603.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 46.
- Magnus Weinberg: Die Memorbücher der jüdischen Gemeinden in Bayern, Bd. 1. Frankfurt am Main 1937, S. 149.
- K. statistisches Landesamt: Gemeindeverzeichnis für das Königreich Bayern. Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand von 1911. München 1911 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 84), S. 240.
