Der heutige Ortsteil Bruck war seit dem 15. Jahrhundert die Heimat jüdischer Familien. Aus ihnen erwuchs spätestens in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts eine kleine jüdische Gemeinde, die sich später einem Anwesen namens "Judenhaus" (1604) und oder "Judenschul" (1633) konzentrierte. Ein Zimmer diente demnach als Betraum. Ihre Toten bestatteten auch die Brucker Juden in Baiersdorf. Aus jenen Tagen stammen die Überreste einer Mikwe, die im Keller des Hauses Nr. 12 (heute Fürther Straße 36) freigelegt wurden. Im Denkmalatlas wird sie "wohl um 1500" datiert.
Gegen den Widerstand des Nürnberger Stadtrats, der sich mit den Markgrafen von Brandenburg-Bayreuth die Herrschaft über Bruck teilte, förderte Christian Ernst (reg. 1655-1712) die weitere Ansiedelung von Juden in Bruck. Diese in erster Linie wirtschaftliche Entscheidung stieß wie so oft auf die Kritik der Ortspfarrer, welche aber die Entscheidung nicht beeinflussen konnten. 1707/07 gestattete der Landesherr, wieder zum Ärger der Nürnberger, die Errichtung einer neuen Synagoge mit Lehrerwohnung und zwei Unterrichtsräumen auf dem Grundstück Haus Nr. 58 (heute Schorlachstraße 23a). Der einflussreiche markgräfliche Hoffaktor Samson Salomon aus Baiersdorf ermöglichte die Finanzierung. Während des Baus drohte Nürnberg mit dem gewaltsamen Niederreißen der Grundmauern und setzte den Baumeister geschäftlich unter Druck, woraufhin er sich vom Projekt zurückzog. Unter dem Schutz von 36 markgräflichen Soldaten wurde der Bau schließlich von einem Maurer aus dem markgräflichen Klosteramt Frauenaurach vollendet. Der evangelische Pfarrer Wodiecke meldete nach Nürnberg "daß die Juden-Schul nunmehro ihren Fortgang genommen und damit die Feinde Christi nicht möchten daran verhindert werden, so müßen noch biß diese Stunde 36. Brandenburgs. Soldaten wachen und lautet, sie sollen so lange verbleiben, biß diese Satans-Schule vollends zu ende und ausgemauert".
Die Brucker Synagoge steht noch heute: Ein zweistöckiger, recht einfacher Bau, im Erdgeschoss der Betsaal, ursprünglich erhellt von vier rundbogig geschlossenen Fenstern, die später vermauert wurden. Die Frauenempore lag im nördlichen Obergeschoss des benachbarten, zeitgleich errichteten Schulhauses. Durch Fenster konnten sie einst in den Saal blicken. 1841 wurde das Gotteshaus saniert und die neu vorgeschriebenen Sitzbänke eingebaut. Die alte Mikwe blieb wohl bis zuletzt in Betrieb, da aus finanziellen Gründen keine neue gebaut werden konnte. Die dringendsten religiösen Aufgaben übernahm ein Vorsänger, auch der Schächter war ein Privatmann. Den Religionsunterricht übernahm eine angestellte Lehrkraft, die ab 1825 eine staatliche Prüfung ablegen musste und später auf Drängen der Regierung das Amt des Vorsängers bekleidete.
Bereits ab 1848 begann die Brucker Gemeinde zu schrumpfen, da viele junge Jüdinnen und Juden ins Ausland emigrierten. Der Trend verstärkte sich mit dem Recht auf freie Wohnortswahl im Jahr 1861, da nun noch mehr Gemeindemitglieder in die größeren Städte zogen. Mit der Gründung der Kultusgemeinde Erlangen-Bruck wurde Erlangen das eigentliche Zentrum der Verbundgemeinde. Als letzte jüdische Brucker nennt ein Dokument aus dem Jahr 1894 Alexander Seeligsberg und Aaron Stern mit seiner Frau. Für 725 Mark erwarb der Getreidehändler Georg Lederer am 10. Mai 1876 die leerstehende Synagoge und verkaufte sie nur wenige Wochen später an den Flaschnermeister Gottfried Drechsler weiter, der sie im Juli zur Scheune umbauen ließ. Mit dem Umzug von Aaron Stern nach Nürnberg endete 1903 die Geschichte der Brucker Juden.
(Patrick Charell)
Bevölkerung 1875
Literatur
- Gesellschaft für Familienforschung in Franken / Staatliche Archive Bayerns (Hg.): Staatsarchiv Bamberg - Die 'Judenmatrikel' 1824-1861 für Oberfranken. Nürnberg 2017. Ggfs. digital (Reihe A: Digitalisierte Quellen, 2 = Staatliche Archive Bayerns, Digitale Medien 4).
- Barbara Eberhardt / Hans-Christof Haas: Erlangen. In: Wolfgang Kraus, Berndt Hamm, Meier Schwarz (Hg.): Mehr als Steine... Synagogen-Gedenkband Bayern, Bd. 2: Mittelfranken. Erarbeitet von Barbara Eberhardt, Cornelia Berger-Dittscheid, Hans-Christof Haas und Angela Hager unter Mitarbeit von Frank Purrmann und Axel Töllner mit einem Beitrag von Katrin Keßler. Lindenberg im Allgäu 2010, S. 190-224.
- Hans-Peter Süss: Jüdische Archäologie im nördlichen Bayern. Franken und Oberfranken. Büchenbach 2010 (= Arbeiten zur Archäologie Süddeutschlands 25), S. 56-59.
- Israel Schwierz: Steinerne Zeugnisse jüdischen Lebens in Bayern. Eine Dokumentation. 2. Aufl. München 1992 (= Bayerische Landeszentrale für politische Bildung A85), S. 160f.
- K. statistisches Bureau: Ergebnisse der Volkszählung im Königreiche Bayern am 1. Dezember 1875 [...]. München 1877 (= Hefte zur Statistik des Königreichs Bayern 36), S.
